Gibt es eine*n Gott*Göttin?

Die Erfolgsgeschichte der Menschheit hängt zusammen mit ihrer Fähigkeit, ihre Umwelt zu betrachten und Fragen zu stellen. Es wäre sicher gelogen, zu behaupten, es wäre die älteste Frage der Menschheit, aber wenn man nach dieser suchen würde gehört diese Frage definitiv zum engeren Favoritenkreis: Gibt es einen Gott?  
Oder eine ähnliche Fragestellung. Kommt drauf an, welchen Kulturkreis und welche Epoche man betrachtet. Gibt es Götter? Gibt es eine Göttin? Gibt es irgendetwas über uns? 

Man würde denken, dass so eine Frage einfach zu beantworten ist und ja, das ist sie auch:  
Nein, es gibt nichts. Es existiert kein Gott oder Ähnliches.

Beim Lesen dieser Zeile bleibt jedem gottesfürchtigen Menschen kurz das Herz stehen.  
„Wie kann jemand so etwas nur einfach ohne Argumente behaupten?“

In dieser Welt wird der Glaube an einen*r Gott*Göttin meist kommentar- und kritiklos hingenommen, selbst wenn sich dadurch gesellschaftliche Schwierigkeiten ergeben. Im Gegensatz dazu muss man sich als Atheist*in meist verteidigen oder zumindest erklären.

Dabei sprechen Anhänger*innen der Existenz einer übergeordneten Macht auf keinen Fall von denselben Vorstellungen. Welche*r Gott/Göttin/Geist etc. soll nun exisitieren? Der Gott, den die meisten Menschen anbeten?

Das wäre wohl der Gott der Juden, Christen und Muslime. Der Gott des alten Testaments/ der Tora/ des Koran. Ein Gott, der direkten Einfluss in der Menschheitsgeschichte haben soll. Allmächtig, allwissend und allgegenwärtig. Es stellt sich die Frage, warum ein solcher Gott es nicht schafft, seine Gefolgschaft zu vereinen. Die größten Völkermorde und Kriege fanden zwischen diesen Gruppen und ihren Subgruppen statt. Ein solcher Gott wäre viel, aber auf keinen Fall „gut“.

Aber selbst alle Christen*innen, Muslime*Muslimas und Juden*Jüdinnen zusammen machen gerade mal die Hälfte der Menschheit aus. Der Rest ist Gott einfach nur egal? Hat er nur seine ausgewählte Gruppe Lieblingsmenschen?  

Die Vorstellung des muslimischen und christlichen Gottes entstammt dem jüdischen Glauben. Das aus dem Reformjudentum entstandene Christentum übernahm vieles aus ihrem Ursprung, aber vieles auch nicht. Die Grundtexte blieben die gleichen, aber sie wurden anders ausgelegt. Und jede christliche Gruppe für sich selbst. Würde ein Gott, dessen Worte ja die Tora/die Bibel/der Koran etc. sein sollen, nicht dafür sorgen, dass er besser verstanden wird?  

Wenn man diese Punkte und viele andere überdenkt, muss man zugeben, dass die Existenzwahrscheinlichkeit eines christlichen/jüdischen/muslimischen Gottes gegen Null geht.  
Eigentlich kann man noch viel weiter gehen: die Existenz einer personifizierten Gottheit, welche nur ein Abbild des Menschen ist, kann nicht bestätigt werden und wäre unlogisch.

Andere Vorstellungen über Übernatürliches sind schwieriger zu widerlegen. Das liegt an der Vielzahl von Argumentationen und Vorstellungen, von denen nicht alle stichhaltig und konsequent durchdacht sind. Grob zusammengefasst existiert in diesen Religionen der Gedanke an etwas „Über“natürlichen. Also etwas was über die Natur und somit über den Menschen hinausgeht.  

Wenn man dieser Vorstellung folgt, dann hat Wissenschaft keinen Sinn. Warum verschwendet man Zeit mit dem Untersuchen der Welt, wenn es etwas Überweltliches gibt? Natürlich ist der Mensch beschränkt, er kann nicht alles wahrnehmen und somit nicht alles erfassen. Aber was er schon alles herausgefunden hat, gibt der Welt um uns eine Struktur, mit der wir vieles verstehen und auch vorhersagen können. Besser als bei allen religiösen Weltstrukturen. Diese haben meistens nicht recht und wenn es doch mal vorkommt wird es als Vorzeige-„Wunder“ herumgereicht.  

Religionen sind anpassungsfähig und deswegen glauben heute kaum religiöse gebildete Menschen an die Gottesvorstellungen, welche eigentlich ihre Religion zuschreibt. Sie ändern sie ab, interpretieren sie neu oder ignorieren gewisse Teile. Sie wollen oder können keinen Schlussstrich darunter machen. Dasselbe sieht man bei vielen Agnostiker*innen: Sie sehen, dass keine menschliche Gottesvorstellung wahr sein kann und wissen, dass die Existenz an sich unwahrscheinlicher ist als die Nichtexistenz. Trotzdem wollen sie sich nicht festlegen, aus unterschiedlichsten Gründen. 
Ich selbst unterscheide mich nicht so von vielen gläubigen Menschen. Diese glauben an einen bestimmten Gott, aber an alle anderen nicht. Ich glaube halt einfach an einen weniger als sie.  

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