Jüdische Lehre, Leben und Tradition

1) Wer ist Jude/Jüdin

Diese Frage ist in vielen Religionen ganz einfach: „Ich glaube dies, also bin ich“. Im Judentum ist das anders. Eine Konversion Religionsfremder ist nicht vorgesehen, wird nur im Ausnahmefall durchgeführt, ist langatmig und sehr komplex. Deswegen ist es nicht erstaunlich, dass mit ungefähr  14 Millionen Anhängern das Judentum die kleinste Weltreligion ist.

Den Status der Weltreligion erhält es nur durch die weite Verbreitung und Streuung der Gläubigen. Die meisten Juden leben in Israel mit 5,5 Millionen (ca. 75% der Staatsbürger), dicht gefolgt von der USA mit 5,3 Millionen (ca. 1,5% der Staatsbürger). Die Anzahl der noch in Europa lebenden Juden ist verständlicher Weise geringer. Platz 1 belegt Frankreich mit einer halben Million jüdischer Einwohner, danach folgen die Türkei und die Ukraine auf Platz 2 und 3.

In Deutschland leben z.Z. ungefähr 200 000 jüdische Menschen, wobei nur 108 000 in orthodoxen jüdischen Gemeinden organisiert sind. Nur diese Gemeinden sind Mitglied des Zentralrats der Juden. Die größte Gemeinde in Deutschland ist Berlin mit ca. 10 000 Mitgliedern. Regensburg hat, zum Vergleich, nur 1000 Gemeindemitglieder.

Der Großteil der jüdischen Einwohner in Deutschland sind Menschen, die nach dem Zerfall der Sowjetunion, Angst vor Verfolgung und Diskriminierung in ihrer Heimat hatten und deswegen nach Deutschland flüchteten. Die Hauptsprache der meisten deutschen Juden ist deswegen auch russisch.

Da die Konversion im Judentum nicht angedacht ist, bleibt nur die zweite und die auch in den meisten Religionen die am weitesten verbreitete Methode der religiösen Zuordnung: Die der Geburt.

Wenn beide Elternteile jüdisch sind, ist es sehr eindeutig, ob man als Jude auf die Welt gekommen ist, aber um Diskussionen vorzubeugen, ist es ausschlaggebend, dass die Mutter jüdisch ist. Dies wird durch die Hochzeiturkunde der Mutter bewiesen.Früher war es wie in den meisten patriarchalischen Gesellschaften wichtig, dass der Vater Jude ist. Man hat sich aber dann auf die Mutter geeinigt, da bei fehlenden Vaterschaftstests die Verwandtschaft eindeutiger ist.

Im orthodoxen Judentum sind Mischehen, also Partnerschaften eines*r  Juden*Jüdin mit einem*r Nicht-Juden*Jüdin, somit ein Problem, da die Zuordnung nicht mehr eindeutig ist. In liberaleren Strömungen ist es aber ausreichend, wenn ein Elternteil, egal ob Mutter oder Vater, Jude ist.

Das führt uns wieder zu Konversion im Judentum, denn viele wollen aus Liebe zu ihrem*r Partner*in, aber auch wegen gesellschaftlicher Akzeptanz der Partnerschaft zum Judentum übertreten. Eigentlich ist aber der Eintritt nur aus purer Überzeugung möglich, der Weg ist aber so schwer, dass 99% alle*r Konvertiten*innen Heiratskonvertiten*innen sind.

Diese haben es nicht leicht ihren Liebesbeweis zu vollziehen. Die Prozedur ist sehr langwierig und komplex. Der*die Willige  muss eine*n Rabbiner*in mindestens dreimal gebeten haben übertreten zu dürfen, diese*r muss die Bitte mindenstens dreimal zurück weisen.  Es wird großer Wert darauf gelegt, dass im Judentum keine Mission stattfindet.

Nach dem Einverständnis des*r Rabbiner*in ist nun die Aufgabe der*s Anwärters*in alle Regeln des Judentum zu erlernen, dies hat keinen festgelegten Rahmen und kann sich durch die Komplexität des Lernstoff Jahrelang hinziehen. Wann und ob der Lernvorgang abgeschlossen ist bestimmt das Beth-Din, ein Gremium aus mindestens drei Rabbiner*innen. Diese testen auch, ob der Übertritt aus vollem Glauben und nicht aus niedrigeren Beweggründen durchgeführt werden will.

Nach der Zustimmung des Beth-Din gibt es eine rituelle Eingliederung. Männer werden beschnitten und ein Taufbad durchgeführt, bei Frauen ist es nur ein Taufbad. Dieses Ritual hat nichts mit der christlichen Taufe zu tun, sondern soll alle Unreinheit abwaschen, um den*die Konvertiten*in kultfähig zu machen. Danach kann man sich einen neuen Namen wählen und ist dann im vollen Sinne Jude, mit allen Rechten und fast allen Pflichten, die das Judentum mit sich bringt. Offiziell sind Konvertiten*innen gleichberechtigt. Das Leben aber nach der Tora ist sehr schwierig und man wächst nur langsam hinein. Die Anzahl der Konvertiten*innen ist somit sehr gering. Das Judentum wächst nur durch die natürliche Vermehrung.

Das Judentum hat und kann somit keinen Allgemeinanspruch haben, es sieht sich zwar als das Volk Gottes aber nur als Teil Gottes Kinder. Sie sind nur die Mittler zwischen Gott und den Menschen, welche besondere Aufgaben und Pflichten bekommen haben, damit die restlichen Menschen diese nicht befolgen müssen.

Alle Völker haben den Segen Gottes, jede*r kann das Heil erreichen und jede*r hat ein Recht auf einen Platz im Himmelreich. Denn alle sind die Söhne und Töchter Noachs, solange die „noachischen Gebote“ gehalten werden, wird niemand von Gott verstoßen.  Es ist am Ende des ersten Kapitels wichtig auch zu sagen, dass es immer Abweichungen gibt bei den Ritualen, Ausführung von Geboten und ähnlichem. Man kann nicht wirklich von verschiedenen „Konfessionen“ reden, aber von verschiedenen Traditionen und Auslegungen. Das Judentum, und somit jede*r Jude*Jüdin, ist sehr pluralistisch und komplex. Allgemeinaussagen sind immer mit Vorsicht zu formulieren und sind wenn, dann immer nur bedingt richtig.

 

2) Tanach, Talmud, Schulchan Aruch und co.: Eine kleine „Bücherkunde“

Die Lehre der Schrift spielt im Judentum eine zentrale Rolle, da die Regeln, Aufgaben und Pflichten im Judentum, angesiedelt in dem wichtigsten Schriftstück, die Tora, nicht immer eindeutig sind und eine Auslegung viel Wissen voraussetzt.

Die wichtige Rolle der Rabbiner*innen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft als Tora-Gelehrte verdeutlicht die Stellung der Schrift. Es gibt sehr viele Schriften, die teilweise sehr alt sind, und auch oft hohe Autorität besitzen.

Der Tanach, die jüdische „Bibel“  welche ähnlich, aber nicht identisch mit dem alten Testament ist, ist die wichtigste Schriftsammlung, wobei die einzelnen Teile unterschiedlich wichtig sind. Die Bezeichnung stammt vom Ta Na“K, einem Akronym, zusammengesetzt aus ihren drei Teilen: Der Tora „Weisung“, Nebiim „Propheten“ und Ketuvim „Schriften“.

Die Tora ist dabei der wichtigste Teil und besteht aus den fünf Büchern Moses. Diese wird im jüdischen Gottesdienst im Jahr einmal komplett gelesen. Die zentrale Rolle der Tora wird im nächsten Kapitel deutlicher gemacht, sie zeigt sich aber auch darin, dass die meiste Sekundärliteratur im Judentum sich mit der  Tora und deren Auslegung beschäftigt. Darin sind die direkten Weisungen Gottes und des Propheten Moses.

Nebiim enthält die Schriften der anderen „Propheten“, die wichtig in der frühen Geschichte Israels waren, nämlich Jesaja, die Königsbücher (Josua, Richter, Samuel) und die 12 Propheten. Es wird in einem Teil die Geschichte des Volkes Israel erzählt, die praktische Auslegung der Tora von Moses‘ Nachfolgern und im anderen gibt es Prophezeiungen, die noch nicht eingetroffen sind.

Die Schriften der Ketuvim behandeln hauptsächlich die ersten zwei Tanachteile und sind deren menschliche Antworten und Auslegungen. Es besteht unter anderem aus den fünf Megillot. Diese werden im Gottesdienst normalerweise nicht gelesen, außer als Festtagslesungen.

In den alten religiösen Schriften, die nicht in der Tanach zusammengefasst sind, gibt es zwei Literaturströmungen: die Halachische und die Aggadische. Halacha, kommt vom Wort hebräischen Wort  für „gehen“, bedeutet  sowas wie „gangbarer Weg“, „Wegweisung“, „Lehre“ und sind Weisungen für das tägliche Leben. Sie behandeln die Religionsgesetze.

Aggada, aus dem hebräischen Wort für „erzählen“, kann man als „Verkündung“ oder „Erzählung“ übersetzen. Diese Texte sind narrative Illustrationen oder Entfaltungen von Teilaspekten der Lehre (Halacha).

Als Midrasch bezeichnet man die methodische und „wissenschaftliche“ Auslegung der Tora („und anderer Bücher“). Diese „wissenschaftliche“ Herangehensweise kann aber nicht mit einer neuzeitigen verglichen werden. Die Bezeichnung kommt vom hebräischen Wort Darasch, was in etwa bedeutet wie „suchen“ oder „fragen“.  Die meisten Texte die als Midrasch bezeichnet werden wurden im  ersten bis zum zwölften Jahrhundert, am Anfang des Rabbinischen Judentum, verfasst. Aber auch einige Tanach Texte gelten ebenso als Midrasch. Man kann sie ungefähr in drei Typen untergliedern, wobei eine eindeutige Einordnung nicht immer möglich ist, da Mischformen häufig sind.

Die halachische Midrasch sind Texte welche die Tora erklären und direkte Auslegungen der gesetzlichen Teile sind. Ausgelegt werden in Mekhilta Teile von Exodus, in Sifra das Buch Leviticus, in Sifre Bemidbar Numeri und in Sifre Dvarim Deuteronomium.

Die anderen beiden Typen werden in die aggadische Literatur eingeordnet, die exegetische und die homiletische Midrasch, und sind erzählerische Auslegungen.

Die exegetische Midrasch ist die durchgehende Auslegung der Bücher der Tora (und weiterer Schriften). Die homiletische Midrasch sind „Predigten“ zu den Leseabschnitten der Toralesungen am Shabbat.

Der Talmud, bestehend aus zwei Teilen, Mischna und Gemara, gehört auch zu den wichtigsten rabbinischen Schriften im Judentum. Es beschäftigt sich mit dem Alltag und wie die Tora darauf angewendet werden kann. Die Mischna ist in 6 Ordnungen, 63 Traktate und 525 Abschnitte aufgeteilt und ist überwiegend halachisch.

Der bekannteste Talmud und Tanach Ausleger ist der Rabbiner Schlomo ben Jizchak besser bekannt als Raschi. Seine Tora Kommentare sind sehr knapp, eher aggadisch und sehr philosophisch. Seine Talmud Kommentare sind hingegen eher halachisch. Er war der erste kurzfassende Kommentartor. Es ist in vielen Gebetsbüchern abgedruckt und seine Texte waren das erste hebräisch gedruckte Buch (im 15 Jahrhundert).

Chumasch, das Fünfteilige, ist eine bestimmte Tora Ausgabe die als Rabbinerbibel dient und neben den Toratexten auch Zusatzinhalte wie Raschi Kommentare und ähnliches beinhaltet.

Es existieren neben der aufgezählten Literatur noch viele weitere und sie wächst stätig. Nicht alle Schriften genießen in jeder jüdischen Gemeinde die gleiche Autorität und nicht jede*r Rabbiner*in hat die gleiche Auslegung der Schriften.

3) „ez-chajim hi“: Die Tora als Basis jüdischen Lebens

Die Tora ist unumstritten die zentrale Schrift des Judentums.  Dabei sind, wenn über die Tora gesprochen wird, nicht immer nur die fünf Bücher Moses gemeint, sondern es ist auch oft die Rede von der mündlichen Tora. Als schriftliche Tora werden nur die hebräischen orginalen fünf Bücher Moses gezählt. Sie gilt als am wichtigsten, weil am „eindeutigsten“. Das „eindeutig“ muss mit Vorsicht verwendet werden da es ein Konsonatentext ist, welcher nicht nur in eine Richtung interpretiert werden kann. Jegliche Interpretation ist mündliche Tora.

„Die Tora, die auf der Zunge liegt“ ist eine Umschreibung der mündlichen Tora, wo jede Auslegung der Tora gemeint ist. Es spielt keine Rolle, ob diese wirklich „rein mündlich“ ist, oder aufgeschrieben ist. Man teilt in zwei unterschiedlichen Teilen der mündlichen Tora. Die der alten Rabbinerschriften und der neuen „jetzt“ Auslegungen, die Interpretationen der Gegenwart.

Die alten Rabbinerschriften sind oft nicht sehr eindeutig und es gibt so viele, dass sie potenziell Endlos sind. Sie sind auch ein gutes Beispiel das mündliche Tora auch schriftlich ist.

Die neuen „jetzt“ Auslegungen der Tora sind die, welche für die Anwendung der Tora im Alltag verwendet werden. Sie passen sich immer neuen Lebensumständen an und spiegeln die praktische Lebenswirklichkeit wieder. Unterschiedliche Rabbiner*innen sind sich nicht immer einig, so dass auch hier eine große Diversität existiert.

In den Auslegungstexten wird so getan als gäbe es den Tempel noch, auch wenn dieser schon lange zerstört ist. Durch das thematische Behandeln der Tempelplfichten wird die nicht mögliche Ausführung ausgeglichen.

Eine exakte Trennung zwischen der schriftlichen und mündlichen Tora ist nicht möglich, da selbst in der schriftlichen Tora die mündliche Tora in schriftlicher Form existiert.

Die schriftliche Tora wurde von Moses auf Anweisung Gottes geschrieben und hat dadurch Göttliche Autorität. Die mündliche Tora ist die praktische Auslegung aber wer von den Ausleger*innen hat Recht?

Diese Frage ist die falsche den es geht nicht darum was wahr oder falsch ist, sondern um was getan werden soll. Das Konzept der allwissenden „Propheten“ wird abgelehnt, nur Moses gilt als der einzig wirkliche „Prophet“

Sonst sind alle Auslegungen theoretisch richtig. Rabbinische Lehre muss sich ständig aktualisieren und muss Konsensfähig sein. Teilnahme an diesem Diskurs setzt eine hohe Bildung voraus und ist somit im Judentum extrem wichtig.

Die Tora selbst ist oft sehr widersprüchlich und enthält selbst mögliche Auslegungen vom Wort Gottes. Dies wird nicht als Fehler sondern als Besonderheit der Tora angesehen da sie das Prinzip der Auslegung automatisch in sich trägt und somit Schrift Fundamentalismus verhindert werden soll, da es für eine Behauptung immer ein Gegenargument gibt.

4)  Zwischen Bris Mila und Havura Qadisha – Wende und Höhepunkte

In jeder Religion gibt es einen groben Lebensablauf den fast alle Angehörige ähnlich durchlaufen haben bzw. durchlaufen werden. Dieser wandelt sich im Laufe der Zeit, manchmal stärker, manchmal schwächer aber er beinhaltet immer die wichtigsten Lebensabschnitte: Die Geburt, den Eintritt in die (religiöse)Vollmündigkeit, die Heirat und der Tod. Die klassische jüdische Biographie unterscheidet sich auch stark nach dem Geschlecht. Bei den Männern beginnt sie schon acht Tage nach der Geburt.

Männliche Juden werden zum Zeichen des Bundes zwischen Gott und dem Volk Israel am achten Tag nach der Geburt beschnitten. Dies ist eine religiöse Feier, die seit Jahrhunderten sich kaum verändert hat, aber in jeder Gemeinde unterschiedliche Bräuche existieren. Beschnitten werden nur gesunde Säuglinge. Die Beschneidung ist ein wichtiges Zeichen jüdischer Identität. Ein Gegenstück zur männlichen Beschneidung gibt es für weibliche Säuglinge nicht.

Wenn ein Junge 13 Jahre alt ist, feiert man seine Bar Mitzwa ( übersetzt: Sohn des Gebotes) , den Eintritt in das religiöse Erwachsenenalter. Er wird das erste Mal im Gottesdienst zur Toralesung gerufen und muss aus der Tora singen. Das ist so schwer, dass die meisten Jungen ihre Torastelle auswendig lernen. Dann gibt es eine große Feier und Geschenke. Danach müssen alle Religionsgesetze (Gebote: Mizwot)  eingehalten werden,  da sie als intellektuell mündige Menschen gelten, die zwischen Gut und Böse unterscheiden können. An diesem Tag darf der Junge auch seine Tefillin (Gebetsriemen aus Leder)  legen.

Im Reformjudentum, ca. ab den 18 Jahrhundert, entwickelte sich ein weibliches Gegenstück der Tradition: Die Bat Mitzwa (übersetzt: Tochter des Gebotes) . Diese wird nur vereinzelt gefeiert und findet im Alter von 12 bis 16 Jahren(abhängig von der Gemeinde) statt. In liberalen Strömungen ist sie ähnlich wie die Bar Mitzwa, meistens ist es aber die Durchführung eines den Frauen vorbehaltenen Rituals, wie das entzünden der Kerzen oder die rituelle Segnung des Brotes.

Das nächste wichtige Lebensdatum ist das der Hochzeit. Wobei der Zeitpunkt davon abhängt, ob sich zwei Heiratswillige kennen lernen. Wie in den meisten Religionen ist eine Heirat nur zwischen einem Mann und einer Frau möglich. Männer mit mehren Frauen sind nach der Tora erlaubt, aber untypisch. Monogamie gilt, aber theoretisch nicht ausschließlich.

Es existiert kein Mindest- oder Maximalalter. Klassisch wird aber ab 18 Jahren geheiratet. Es existierte im Judentum schon weit vor der Neuzeit ein Ehevertrag (Ketuba). Dieser ist wichtig, ebenso wie zwei Zeugen, die nicht Mitglied der Familien sein dürfen, sowie einen goldenen Ring für die Frau. In vielen modernen Trauungen bekommt, wie bei christlichen Trauungen auch, der Ehemann einen Ring.  Mehr braucht es für eine jüdische Hochzeit nicht. Keine speziellen Räume, speziell ausgebildete Menschen oder ähnliches. Es kann und wird aber nach Belieben hinzugefügt.

Die Zeugen unterschreiben den Ehevertrag, eigentlich keiner der Ehepartner. Wenn überhaupt der Mann und die Frau, dann nur in den sehr liberalen Strömungen. Dieser Vertrag soll die finanzielle Absicherung der Frau gewährleisten. Im Mittelalter gab es oft eine Klausel dass der Frau mehr zustand wenn sie einen Sohn gebar. Die Bedeutung des Ehevertrag ist in der Modernen geringer wie früher, da das Zivilrecht Frauen bei Scheidungen schützt. Der Ehevertrag wird vom Mann ausgestellt und muss von diesem in aramäisch geschrieben werden oder er bezahlt einen Schreiber dafür. Den meist Standardisierten Text muss er auf der Hochzeit vorlesen.

Die Symbolik des goldenen Ringes ist auf die Tora zurück zu führen, in der ein Mann sich eine Frau durch „kessef“, was so viel wie Geld oder Silber bedeutet, an eignet. Der Mann gibt den Ring, die Frau nimmt ihn an. Dann gelten beide als verheiratet. Sie gilt aber erst nach vollzogenem Beischlaf als gültig. Oft lässt man das Ehepaar kurz nach der Trauung alleine, als symbolische Geste für den Beischlaf. Die Zeit ist aber meistens zu kurz damit dieser wirklich vollzogen werden kann.

Das Gegenstück der Heirat, die Scheidung, ist möglich. Der Mann muss eine Scheidungsurkunde ausstellen und der Frau überreichen. Diese muss die Urkunde annehmen, ihre Zustimmung ist nicht nötig. Theoretisch ist die Scheidung durch die Frau nicht möglich, in der Praxis wird der Mann „gezwungen“ eine Urkunde auszustellen. Die Frau bekommt ihre Mitgift und die im Ehevertrag festgelegte Summe. Legitime Scheidungsgründe sind Ehebruch der Frau (in diesem Fall gibt es auch keine Auszahlung außer der Mitgift), Missfallen der Frau, Frau zu eigenständig und Frau widersetzt sich den Befehlen des Mannes.

Auch die Unfruchtbarkeit der Frau ist ein legitimer Grund einer Scheidung. Das kann auf das erste Gebot an die gesamte Menschheit zurückgeführt werden: Die Welt zu bevölkern. Die Aufgabe eines jüdischen Paares ist es, natürlich nur nach der Heirat, sich zu vermehren. Die Regel lautet mindestens drei Kinder inklusive mindestens eines männlich und eines weiblich. Da die Regel „vermehren“ heißt reichen zwei Kinder nicht da die Anzahl sonst stagniert. Klassische Orthodoxe Familien haben fünf Kinder und mehr. Zuständig für die Reproduktion ist der Mann, bei Schwierigkeiten liegt die Schuld aber bei der Frau. Künstliche Befruchtungen sind kein Problem. Adoptionen hingegen sind kaum möglich, wenn dann nur jüdische Kinder.

Das klassische jüdische Leben endet wie das der meisten anderen Menschen mit dem Tod. Die Aufgabe der Bestattung trägt die jüdische Gemeinde, deswegen hat jede ein eigenes Bestattungs-„Unternehmen“ eine chewra kadischa (heiliger Verein). Die Beerdigungen haben zwei Leitmotive: ziemlich schnell und ziemlich ganz. Also wenn es geht eine Vollkörperbestattung, meistens gleich am ersten Tag. Früher nähte man die Leichen in einen Sack, heute hat man nichts mehr gegen die in vielen Ländern herrschende Sargpflicht.

Der Normalfall ist aber ein Textilsack und eine Schaufel von der Erde des heiligen Landes. Auch wenn oft die Erde nicht aus dem heiligen Land kommt, ist es wie so oft: Auf die Symbolik kommt es drauf an. Die Trauerzeit beträgt sieben Tage und die Angehörigen sind in dieser Zeit entbunden von allen religiösen Aufgaben. Erst am ersten Todestag wird ein Grabstein aufgestellt. Es gibt keine Familiengräber, es wird nur einzeln beerdigt. Grabplatten und Grabauflösungen gibt es nicht. Das wichtigste ist die Erinnerung des Namens. Wenn dieser vergessen wird, wäre es so, als hätte die Person niemals gelebt. Der tote Körper gilt zwar als unrein (kultunfähig), es existiert aber eine große Wertschätzung der*des Toten.

Nach dem Tod wartet man bis zur Auferstehung und zur kommenden Welt. Es steht jede*r auf um gerichtet zu werden. In einer alten Vorstellung konnte nur das auferstehen was auch beerdigt wurde. Die meisten werden als „gut“ gerichtet und dürfen in der kommenden Welt leben. Welche die als „schlecht“ gelten müssen maximal ein Jahr in die „Hölle“ danach dürfen sie dann in das Nichts.

 

5) Die Kashrut – die Speisegebote

Wichtiger identitätbildener Faktor ist im Judentum auch das bekannte Speisegebot. Dieses System von Koscher, nicht Koscher heißt Kaschrut und kommt vom jiddischen Wort koscher das in etwa tauglich bedeutet. Der Leitfaden für koscheres Essen ist: Das Richtige – richtig zubereiten – richtig aussehend – richtig verzehren

Am einfachsten das Richtige zu essen ist es vegan zu leben. Die meisten Speisegebote betreffen tierische Lebensmittel. Erlaubt ist jedes Obst, Gemüse und Getreide. Honig, Eier und Milch sind auch koscher, wobei Eier die am Sabbat gelegt wurden und Milch von nicht koscheren Tieren ausgeschlossen sind. Tiere die gegessen werden dürfen sind alles Geflügel (außer Raubvögel), paarhufige Wiederkäuer (hauptsächlich Rind, Schaf und Ziege) und Wassertiere mit Flossen und Schuppen, also Fische. Es ist übrigens ausschlaggebend was in der Tora steht und was das Auge sieht, nicht die wirkliche Biologie. Haie sind somit nicht koscher, weil die Schuppen man nicht mit dem bloßen Auge sieht. Nach der Tora ist auch der Verzehr von vier Heuschreckenarten erlaubt, da aber niemand weiß um welche Arten es sich handelt, werden auch keinerlei Insekten gegessen.

Das richtige Zubereiten fängt schon bei der Schlachtung der Tiere an. Paarhufige Wiederkäuer von einem Schochet, einem speziell ausgebildeter Schlachter, geschächtet. Dies ist eine besondere Art zu schlachten. Dazu wird ein sehr langes und sehr scharfes Messer gebraucht und das Tier wird von einem Ohr zum anderen, ohne absetzen aufgeschnitten. Das Tier muss komplett ausbluten, da der Verzehr von Blut, wie auch im Islam und im Christentum, verboten ist. Bestimmte Fettteile werden auch abgetrennt. Maximal darf pro Tag nicht mehr als eins bis zwei Tiere von einem Schochet getötet werden. Der Fleischkonsum im orthodoxem Judentum ist dadurch sehr gering. Geflügel wird meistens durch das abtrennen des Kopfes geschächtet. Eine vorherige Betäubung des Tieres wird außerhalb des Reformjudentum bei keinem Tier gemacht da es das Fleisch unkoscher machen würde. Fische gelten ab den Moment wo sie aus dem Wasser geholt werden als tot und sind immer, solange sie von einem*r Juden*in geangelt wurden, koscher. Milch und Fleisch dürfen nicht zusammen zubereitet, serviert oder gelagert werden. Es gibt drei jüdische Küchen: eine Fleischige, Milchige und eine Parve (neutrale, nicht fleischige und milchige) Küche. Käse aus tierischen Lab ist z.B. nicht koscher.

Beim richtigen Aussehen gibt es nur eins zu beachten: Etwas was nicht koscher aussieht, ist nicht koscher. Es ist zum Beispiel nur verboten wiederkäuende Paarhufer in Milch zuzubereiten, da aber Geflügel in Milch ähnlich aussieht ist es auch verboten.

Beim richtigen Essen ist hauptsächlich die richtige Vorbereitung vor dem Essen gemeint. Es gibt einen Segenspruch, jede Speise hat einen besonderen Segen. Meistens spricht man ihn stellvertretend nur für Brot und Wein, beides wird bei jedem Essen gereicht. Es existiert das Verständnis das alles Essen von Gott ist und wenn ein Mensch nicht dafür betet/bittet dann stiehlt er*sie.

Bluttransfusionen sind erlaubt wie auch medizinische Produkte aus Tieren. Im Judentum ist das Leben ein sehr hohes Gut. Deswegen gelten alle Essensvorschriften auch nur für gesunde Juden. Die Essensvorschriften existieren nicht wegen der Gesundheit oder ähnlichen Gründen, sondern weil es Regeln aus der Tora sind. „Gott will das so“. Es ist ein wichtiger Teil der religiösen Identität und eine sichtbare Abgrenzung zwischen Andersgläubigen.

6) Gebet…

Gebetet werden kann prinzipiell immer und es öfters zu tun gilt, wie auch in fast allen Religionen, eher erstrebenswert als ein Laster. Die drei existierenden täglichen Pflichtgebete sind aber unabdingbar für jede*n gläubige*n Juden*Jüdin.

Morgens, das Gebet zur Morgenröte, das Schacharit (Morgenrötige) welches hauptsächlich aus dem Schma Jisrael und dem Achtzehnbittengebet besteht. Es ist eine religiöse Reflektion am Anfang des Tages mit einem Ausblick auf den neuen Tag und einem Rückblick auf die vergangene Nacht. „Mittags“ besser gesagt Nachmittags das Mincha, welches nach der Hälfte des Tages und vor dem Sonnenuntergang stattfinden soll. Abends das Ma’ariv, kommt vom hebräischen Wort ariv(Abend) und ist zeitlich sehr nach am Nachmittagsgebet. Der Inhalt ist wie beim Morgengebet hauptsächlich das Schma Jisrael und das Achtzehnbittengebet. Ein Nicht Pflichtgebet was aber viele Gläubige trotzdem beten ist das Al-Hamilla, das Gebet auf der Bettkante, ein privates Nachtgebet vor dem Schlafen. Als der Tempel noch existierte gab es ein Tamid, ein tägliches Opfer, als Ersatz für dieses betet man in der Früh und abends.

Es gibt unterschiedliche Gebetsarten. Unter anderem das Kawwana, ein privates und spontanes Gebet aus dem Herzen. Wenn es im Gottesdienst gebetet wird dann im Stillen. Es ist auch die jüdische „Andacht“, dem gedanklichen Folgen des Gottesdienstes. Es existiert ein vorformuliertes, festes Gebet das hauptsächlich im Gottesdienst gebetet wird. Das Hauptgebet des Judentums ist die Amida, das Achtzehnbittengebet, wobei es nach babylonischer Tradition 19 Bitten sind. Das Schma Jisrael ist fester Bestandteil des täglichen Gebetes und beinhaltet Segenssprüche mit Tanachlesung.

Die „Gebetsordnung“, das Gebetsbuch für den Alltag und dem Sabbat, wird Siddur gennant. Es unterscheidet sich von Strömung zu Strömung wenn aber auch nicht wirklich essentiell. Jede Gemeinde hat ihre eigenen Riten und Gebräuche, welche auch darin festgehalten sein können. Früher gab es mal einen sehr einfachen Gottesdienst welcher aber im Laufe der Zeit durch das Rabbinertum verkompliziert wurde. Gottesdienste dauern in der Regel sehr lange.

Nur ein freier Jude kann und muss alle Gebote halten. Jüdinnen sind von allen Geboten befreit die nicht an einer Zeit gebunden sind, Verbote gelten trotzdem.

7 ) … und Gottesdienst

Der Gottesdienst im Judentum kann man nur verstehen wenn man ihn besucht und selbst danach wahrscheinlich immer noch nicht. Dieser kann theoretisch an jedem Ort stattfinden außer an Friedhöfen und Latrinen. Der klassische Ort ist die Synagoge die Bezeichnung kommt aus dem griechischen bedeutet Zusammenkommen. Das hebräische Wort dafür ist Bet-knesset, das Haus der Versammlung.

Der Gottesdienst dauert an einen normalen Sabbat drei Stunden, an Festtagen länger und am höchsten jüdischen Feiertag dem Jom Kippur fast den ganzen Tag. Für den Gottesdienst und in der Synagoge braucht man unterschiedlichste Utensilien wobei einige optional sind.

Unverzichtbar ist die Torarolle die mindestens einmal vorhanden sein muss. Normalerweise gibt es mindestens drei Stück da drei Tanachtexte im Gottesdienst gelesen werden und eine Torarolle ca. 40 Meter lang ist und das Finden von Textstellen somit sehr zeitintensiv ist. Die Anzahl der Torarollen und die Ausgestaltung ihrer Stoffmäntel und Kronen zeigt wie groß und vermögend die Gemeinde ist.

Die Torarollen werden in einen, am besten nach Jerusalem ausgerichteten, Tora Schrein aufbewahrt. Diese ist unbeweglich und kann ein schöner Schrank oder auch ein Loch in der Wand sein. Die Rollen liegen hinter einem Stoffvorhang und optional hinter Türen. Das „ewige Licht“ das Ner Tamid ist eine Lampe die vor oder über dem Schrein von der Decke hängt. Es erinnert an den verschollenen sieben armigen Leuchter der im Tempel stand und immer brannte.

In der Mitte der Synagoge steht ein „Lesepult“ die Bima, welche schon fast eher einer Bühne ähnelt. Die Ablage ist sehr groß und flach damit die großen Torarollen Platz haben. Oft ist ein Bereich um das Lesepult eingezäunt. In diesem Bereich bewegt sich der*die „Prediger*in“.

Um den Lesepult können die Sitzbänke angeordnet sein. Meistens sind die Plätze personalisiert, also jedes Gemeinde Mitglied hat seinen Platz wo auch die Gebetsutensilien hinterlegt sind da am Sabbat keine Gegenstände von einem Bereich in den anderen getragen werden dürfen. In orthodoxen Gemeinden sitzen die Frauen nicht bei den Männern sondern entweder auf einer Empore oder hinter diesen. In liberalen Strömungen ist das natürlich egal.

Elektrische Hilfsmittel wie Mikrofone oder elektrisches Licht gibt es nicht da Strom anschalten auch als Arbeit gilt und diese am Sabbat verboten ist. Aus diesem Grund braucht jede Synagoge Fenster da sie am Sabbat sonst sehr dunkel ist.

Die meisten Synagogen haben auch ein rituelles Tauchbad, eine Mikwe, diese ist mit Grundwasser gefüllt und wird zur kultischen Reinigung verwendet. Das Wasser ist sehr kalt und selten sauber. In Deutschland gibt es Mikwen nur noch relativ selten und nur große Synagogen haben welche.

Heiligenfiguren oder menschliche Darstellungen findet man in Synagogen nicht. Im antiken Judentum war das anders. Es gab unterschiedlichste Trends auch mit Darstellungen.

Wichtiger als der Ort sind die Personen bei einem Gottesdienst. Es werden zehn jüdische Männer über 13 Jahre gebraucht. Das begründet sich auf die Tanachstelle von der Zerstörung der Stadt Sodom. Es hätten zehn gerechte Männer genügt um die ganze Bevölkerung vor Gottes Zerstörung zu retten. In sehr liberalen Strömungen können auch Frauen Teil des sogenannten Minjan sein.

Sonst braucht es eigentlich niemanden mehr für einen Gottesdienst. Priester*innen, Rabbiner*innen oder andere Personen sind optional. Oft gibt es aber noch besondere Rollen die aber auch zeitgleich Teil des Minjan sein können. In orthodoxen Gemeinden werden diese Positionen nur von Männern ausgefüllt.

Der*die Vorbeter*in, der*die Chasan*Chasanot, ist der*die einzige welche*r laut betet während die anderen das leise tun. Er*Sie sorgt beim Gottesdienst auch für Ruhe und Ordnung. Diese Position gibt es in jeder Synagoge. Als Luxus gilt hingegen die Anstellung eines*r Kantor*in eine*r Vorsänger*in die gleichzeitig Vorbeter*in ist und bezahlt wird.

Rabbiner*innen sind nicht das Gegenstück eines*r christlichen Pfarrers*in und leiten weder Gemeinde noch den Gottesdienst. Man will ihnen nicht zu viel Macht geben. Im Verständnis sind Rabbiner*innen eher Professoren*innen. Die Gemeinde wird durch ein gewähltes Gremium geleitet welches auch den Gottesdienst vorbereitet. Rabbiner*innen machen aber oft die „Predigt“.

Mitglieder aus einem Priester Geschlecht sprechen, wenn sie anwesend sind, den Priestersegen und sind die, welche den ersten Toratext lesen. Den zweiten Abschnitt ließt ein Angehörige*r aus dem Stamm Levi und den dritten Abschnitt ein*eine Jude*Jüdin der*die nicht einem Priestergeschlecht angehört oder Levit*in ist.

Jedes Gemeindemitglied (orthodox nur männlich) muss einmal im Jahr aus der Tora vorlesen. Die Reihenfolge wird in der Gemeinde untereinander ausgemacht. Bei Geburten, Todestagen etc. gibt es Regeln das Angehörige beim nächsten Sabbat lesen müssen. Wenn jemand nicht vorlesen „kann“, liest jemand anderes für die Person welche währenddessen daneben steht und den Segenspruch vor und nach der Lesung spricht.

Bei liberalen Strömungen gab es in deutschen Synagogen bis 1938 viele Orgeln, während dem Holocaust wurden sie aber Zerstört und entwendet. In neuern liberalen Gemeinden gibt es daher keine mehr. In orthodoxen Strömungen hingegen gab es nie Orgeln da das Orgelspielen als Arbeit gilt. Da Arbeit nur das ist was mit den Händen gemacht wird ist singen erlaubt.

Wenn irgendwelche Voraussetzungen nicht erfüllt sind ist das nicht schlimm. Pragmatismus ist schon immer ein wichtiger Teil des Judentums. Das größte christliche Vorurteil ist das Judentum 100% streng Gesetzes hörig ist. Es werden nur die Minjan und eine Torarolle benötigt. Rein theoretisch kann ein jüdischer Gottesdienst Problemlos in einer Moschee stattfinden.

 

8) Schabbat – Biblische und rabbinische Grundlagen

Schabbat ist der Ruhetag im Judentum mit vielen Vorschriften. Aber kann man all diese Rabbinischen Vorschriften aus der Tanach ziehen?

Als Grundlage der Vorschriften sind einige Tanachstellen. Die Schabbatgebote findet man unter anderem in den Dekalogfassungen. Die Gebote finden sich zweimal, einmal in Exodus 20, 2-17 und einmal in Deuteronomium 5, 6-21. In Exodus spricht Gott zu Moses am Berg Sinai. Im Deuteronomium spricht Mose an die zweite Generation des Volks Israel in Moab kurz vor seinem Tod.

Moses verändert Gottes Worte bzw. ergänzt und interpretiert sie. Also mündliche Tora in der schriftlichen Tora. Der Hauptunterschied liegt in der Begründung. In Exodus wird durch die Schöpfung in Deuteronomium mit dem Auszug aus Ägypten argumentiert. Auch verwendet Moses das Wort „bewahre“ das bedeutet man soll die Gebote in der konkreten Praxis ausführen. Gottes „denken“ bezeichnet eher die intellektuelle Vorpraxis. Die Begriffe Denken und Bewahren sind die Inbegriffe des Schabbats. Es ist der Grund warum man in überhaupt begeht.

Die Motivation des Schabbats ist der Schutz des Heiligen. Heilig bedeutet für Gott. Gott machte den Tag heilig und ruhte. Die Gläubigen haben ein göttliches Vorbild und ruhen mit ihren Gott. Auch ist es ein Danken und Erinnern an die Herausführung aus Ägypten. Den wer am Schabbat ruhen kann merkt das er frei ist und außerhalb der Knechtschaft.

Andere Schabbatgebote finden sich in der „Heiligtumstora“ (Ex 25-31) in Exodus 31, 12-17 in dem Gott spricht und das Heiligtum, die Kultaktie etc. beschreibt. In dem „Bericht des Heiligtumsbau“ (Ex 35-39(40)Dort wird das gebaut was in ex 25-31 beschrieben wurde, Inhalt fast identisch) in Exodus 35, 1-4 in welchen der Sprecher Moses ist.

Das Gebot das Feuer nicht angezündet werden darf fügt Moses hinzu. Auch stellt er den Text um und dampft die Worte Gottes ein. Er spricht vom höchsten Schabbat, dem wichtigsten und meint damit jeden Schabbat. Die Strafe bei Missachtung des Schabbats ist der Tod. Im Rabbinertum Interpretiert man das „Ausmerzen aus der Mitte des Volkes“ als Vertreibung und Ausschluss aus der Gemeinde. Auch die Vollstreckung der Todesstrafe wird nicht vom Volk sondern vom Himmel vollstreckt.

Der Zeitpunkt des Schabbats ist in der Tora von Gott festgelegt. Er ist immer am siebten Tag aber wann soll der Mensch anfangen zu zählen? Als das Volk Israel durch die Wüste zieht fällt Mana vom Himmel das gegessen werden kann aber innerhalb eines Tages verdirbt. Am sechsten Tag fällt doppelt so viel Mana und dieses Mal ist es haltbar. Am siebten Tag fällt keines und dies war der erste Schabbat.

Am Schabbat ist eins verboten: die Arbeit. Aber was ist Arbeit? Alles was in der Tora direkt als Verbot ausgesprochen wird z.B. Feuer anmachen. Die alten Rabbiner haben festgelegt dass alle Verben die in Ex 25-31 und in Ex 35-40 vorkommen und ihre Gegenteile als Arbeit zählen und somit verboten sind. Auch alle Arbeiten die zu einen der vorkommenden Arbeiten gehört sind Verboten wie z.B. es wird Brot genannt also ist backen wie auch der Anbau von Getreide verboten. Einige Tätigkeiten sind nicht verboten teilweise aus theologischen, teilweise aus praktischen Gründen. Wenn das Leben in Gefahr ist, gilt das Arbeitsverbot nicht.

Die Begründung des Schabbat ist wie bei den meisten Geboten relativ einfach: Weil Gott es so will. Aber es steckt auch mehr dahinter. Es ist ein erinnern an die Schöpfungsgeschichte, an die Flucht aus Ägypten und auch an das Bundeszeichnen mit Gott. Es ist ein für Gott reservierter Tag und wer leben will, sollte ihn halten.

9) Der Schabbat als Zentrum jüdischen Lebens

Fälschlicherweise wird der Schabbat oft auf Samstag datiert, denn das ist nur die halbe Wahrheit. Er beginnt schon Freitagabend und geht bis Samstag Abend von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang. An jedem Ort ist deswegen eine andere Schabbat Zeit. Genaue Uhrzeiten wann die Sonne untergeht werden von den Gemeinden veröffentlicht.

Die Gottesdienste finden Freitagabend und am Samstagvormittag in der Synagoge statt. Theoretisch existiert noch ein dritter Gottesdienst am Samstagnachmittag. Der Freitagabend Gottesdienst nennt sich Kabbalat Schabbat, der Empfang des Schabbat und der am Samstagnachmittag Minchah, so heißt aber jeder nachmittags Gottesdienst.

Das anzünden der Schabbat Kerze ist der letzte Arbeitsschritt vor dem Schabbat. Diese muss mindestens eine Stunde brennen und von selbst ausgehen. Sie muss aus natürlichen Material hergestellt werden und ungemischt sein. Öllampen sind ursprünglich und auch erlaubt. Dieses Ritual wird Zuhause und in der Synagoge durchgeführt und ist der Anfang des Sabbat.

Der Schabbat wird mit dem Hawdalah Ritual beendet. Es gibt ein kurzes Gebet und kurze Segensprüche. Eine besondere Kerze wird entzündet und gleich in Wein erstickt. Dieses Ritual soll die restliche Woche vom heiligen Schabbat trennen. Das Ritual wird daheim und auch in der Synagoge durchgeführt. Das anzünden der Kerze beendet den Schabbat.

Viele jüdische Familien gehen am Schabbat Essen. Das ist aber nach den Religionsgesetzen nicht erlaubt da ein*e Jude*Jüdin einen nicht Juden*Jüdin nicht bezahlen und nicht einmal beauftragen darf eine Arbeit für ihn*sie zu tun. Menschen die Arbeiten verrichten die ein*e Jude*Jüdin an einen Schabbat nicht tun darf nannte man Schabbesgoi. Diese Helfer waren in der Vergangenheit häufig in wohlhabenden jüdischen Familien heute gibt es kaum welche. Sie sind umstritten da sie selten unbeauftragt und unbezahlt sind sondern meistens Angestellte waren.

Klassische Schabbatgerichte sind Schmortöpfe da sie in großen Töpfen lange an Hitze behalten und auch lauwarm gut essbar sind. Auch kalte Speisen Freitags für Samstags vorbereiten ist eine elegante Lösung. Technische Hilfsmittel wie Zeitschaltuhren sind umstritten da sie als technische Schabbesgoi auch auf Beauftragung Arbeit verrichten. Kühlschränke sind kein Problem nur sollte es einer ohne Licht sein oder Freitag klebt man den Lichtschalter im Kühlschrank fest da Licht anschalten auch als Arbeit gilt.

Die Freizeitgestaltung an einem Schabbat ist für Orthodoxe nicht einfach. Alles Elektronische ist verboten. Auch kann Thorastudium, lernen, Autofahren, einige Sportarten und ähnliches auch nicht erlaubt sein. Hingegen ist Romane lesen, Brettspiele, Alkohol trinken, innerehelicher Sex und schlafen ok. Auch spazieren gehen ist eine beliebte Schabbat Beschäftigung wobei es dort besondere Regeln gibt. Innerhalb einer Stadt darf sich frei bewegt werden aber keine Sachen getragen werden. Innerhalb des Eruv, dem Schabbat Gebiet, eine sichtbare Eingrenzung die jede Gemeinde festlegt, kann sich frei bewegt und auch Dinge getragen werden. Außerhalb der Stadt dürfen nur 1000 Schritte gegangen werden. In liberalen Strömungen hingen sollte man das einfach nicht tun, womit man normalerweise sein Geld verdient.

10) Der Festkalender

Das Neujahr beginnt am ersten Tischri also am ersten Tag des Monat des Tischri. Dieser ist im gregorianischen Kalenders Anfang bis Mitte September zu verordnen. Es ist der Tag an dem die Menschen, nach der Schöpfungsgeschichte, vor 5774 Jahren erschaffen wurden. Das Neujahr feiert also den sechsten Tag der Welterschaffung, den Geburtstag Adams. Auch erinnert man sich auch an den Tag des Gerichtes. Es wird geglaubt das es zwei Listen für das kommende Jahr gibt: Eine Todes- und eine Nicht-Todesliste. Diese Liste wird erst nach zehn Tagen geschlossen, solange kann man noch seinen Sünden büßen um Gott umzustimmen. Ein Widderhorn ist das Symbol der Hoffnung der Menschen das Gott gnädig ist. Das blassen in dieses soll Gott von dem Stuhl des Gerichts auf den Thron der Gnade wechseln lassen. Es ist ein Horn des Widders, welcher eins der „Dinge“ ist, das nach jüdischer Lehre vor der Welt erschaffen wurde. Das zweite Horn wird am Ende der Zeiten vom Erzengel Michael geblasen. Das Neujahr Fest ist hingegen zu den Neujahren der meisten anderen Kulturen eher sehr besinnliche und ein ernstes religiöser Tag.

Zehn Tage nach Neujahr ist Jom Kippur, der höchste jüdische Feiertag und der größte Sühnetag. Die Todesliste wird an dem Tag geschlossen und die Sündenbewältigungsthematik wird liturgisch beendet. In der Zeit als der Tempel noch stand ging der höchste Hohepriester in das Allerheiligste und besprenkelte es inklusive der Bundeslade mit frischen Blut. Dies soll ein Lösemittel von den Sünden darstellen. Heute gibt es eine persönliche Sündenvergebung. Damit keine Sünden vergessen werden, wird jede mögliche Sünde runtergebetet. Jom Kippur ist ein absoluter Fasttag außer man ist krank, ein Kind oder Schwanger. Es darf über den Tag verteilt insgesamt nicht mehr als Nahrung in der Größe einer Olive zu sich genommen werden. Es wird weiße Kleidung getragen als eine Art Inszenierung als himmlisches Wesen und eine Art Verbindung zum weißen „Totenhemd“. Auch trägt man meistens keine Lederschuhe oder andere tierischen Kleidungsstücke.

Vier bis fünf Tage später feiert man Sukkot, das Laubhüttenfest. Es dauert ungefähr sieben Tage und solange „Wohnt“ man nicht daheim. Es wird draußen eine Hütte gebaut mit Löchern am Dach so dass die Sterne theoretisch zu sehen sind. In dieser Hütte wird gegessen und geschlafen, den Rest des Tages kann auch außerhalb verbraucht werden, auch im normalen Haus. Sukkot hat an sich keinen genauen Festinhalt und wird sehr unterschiedlich gefeiert. Es ist eine Art Erntedankfest und die Hütten sollen Erntehütte darstellen. Im ganzen Orient wird um die Zeit Erntedankfeste gefeiert. Bei jedem Abendessen wir symbolisch eine der großen historisch-religiösen Gestalten Israel eingeladen wie z.B. Abraham, Moses etc. Den achten Sukkot wird eventuell auch gefeiert mit einem Abschlussfest. Der „neunte Tag von Sukkot“ ist ein rein rabbinischer Tag der nicht in der Tora steht aber die Idee dort angelegt ist. Dort findet die Simchat-Torah statt, die Prozession aller Tora Rollen. Die Glaubensgemeinde feiert dass man die Tora hat und man beginnt des liturgische Jahr von neuem. Es wird erst das letzte und dann das erste Kapitel der Tora gelesen als Symbol das die Tora niemals aufhört.

Das in abendländischen Kreisen bekannteste jüdische Fest ist Chanukka, das fälschlicherweise oft mit den christlichen Weihnachten verglichen wird. Die Bezeichnung „jüdisches Weihnachten“ ist in der Hinsicht falsch da keinerlei inhaltlichen Verbindungen existieren. Da das Fest aber am 25 Kislew bis zum zweiten Tevet geht, fällt es oft in die Adventszeit und auch die Symbolik mit vielen Kerzen und Licht ist ähnlich. Das beschenken der Kinder hat auch Tradition obwohl sie oft jeden Tag von Chanukka etwas bekommen. Meistens aber nur kleine, oft religiöse Geschenke und nur einmal eine wirklich große „Bescherung“. Seit ca. 174 vor abendländischer Zeitrechnung wird an den Tagen von Chanukka der Chanukka Leuchter entzündet. Chanukka ist aber kein rein religiöses Fest. Es wird einerseits die Wiedereinweihung des Tempels aber auch die Reinigung von der griechischen Herrschaft gefeiert. Diese politische Feier bzw. Sieg wird aber eher vernachlässigt da es ein besonders schwieriges Thema ist.

Ein sehr säkularer in Israels und ein liturgisch eher unwichtiger Festtag ist Tu biSchevat, das Neujahr der Bäume welcher am 15ten Schevat stattfindet. Oft werden an den Tag überall Bäume gepflanzt. An diesem Tag wird das Jahr gerechnet für eine Regel die Juden für Obstbäume in Israel einhalten müssen. Die ersten vier Jahre nach dem pflanzen dürfen keine Früchte geerntet werden und im fünften Jahr muss die gesamte Ernte ursprünglich an den Tempel, heutzutage an die Armen gegeben werden. Vollmondtage, also der 15 Tag in einem Monat, werden gerne als Festtagsdaten genutzt. Der jüdische Kalender ist ein Lunisolarkalender und da er 354 Tage und somit 11,25 Tage weniger hat als der Sonnenkalender müssen beide angeglichen werden. Deswegen gibt es in 19 Jahren immer sieben Schaltjahre. Die Angleichung existiert weil es ein Gebot existiert das Pessach in den Frühling fallen muss. In diesen Schaltjahren gibt es den Monat Adar zweimal. Festtage werden im zweiten Monat gefeiert und die Toralesungen werden auf beide Monate aufgeteilt oder wiederholt.

Das große Fest das in den Adar fällt ist Purim welches vergleichbar ist mit dem „Fasching/Karneval“. Kinder verkleiden sich und gehen mit der Verkleidung in die Synagoge und es existiert das Gebot sich zu betrinken. Die Menschen feiern die Verhinderung der Auslöschung der Juden. Es ist das Fest das Vertauschen und der Gegenteile. Das betrinken symbolisiert das umkehren der Welt. So lustig und schön das Fest ist desto ernster ist das Thema. Purim wird an zwei verschiedenen Tagen gefeiert, wann hängt davon ab wo der*die Jude*Jüdin lebt. Am 14 Adar feiern die Städte die in der Zeit von Josua keine Stadtmauer hatten, also auch alle Städte die es zu dieser Zeit nicht gab. Am 15 Adar feiern alle die in einer Stadt wohnen die zur Zeit des Josua eine Stadtmauer hatten. Purim geht zurück auf das Esterbuch, es steht also darüber nichts in der Tora aber im Tallmund. Am 13ten Adar ist der Fasttag der Ester.

Am 15ten bis zum 21ten Nisan wird das Pessach Fest gefeiert, im rabbinischen Judentum das zweit wichtigste Fest nach Jom Kippur. Der erste, zweite und der letzte Tag sind vollständige Feiertage und sind mit den Schabbat gleichwertig. Die Tage dazwischen sind Zwischenfeiertage in denen der Alltag ähnlich ist wie im restlichen Jahr. Es wird der Auszug aus Ägypten gefeiert und ist die das Fest das an meisten in der Tora behandelt wird. Es ist Zeitlich in der christlichen K-Woche also in der nähe von Ostern.

50 Tage danach, am sechsten Sivan ist Schavuot. Zeitlich liegt es in der nähe von Pfingsten welches ja auch 50 Tage nach Ostern gefeiert wird. Schavuot ist nach der rabbinischen Lehre die Feier der Offenbarung der Tora und ist das Erntedankfest des Getreides. Die Zeit zwischen Pessach und Scharvot ist Omer, die Zeit des Getreides. Es ist eine bedenkliche und ruhige Zeit wo ausgelassene Feiern eher vermieden werden außer am 33 Tag der Omer Zeit nämlich am Lag baOmer. Dort wird gefeiert und oft geheiratet. Der Grund ist aber ein sehr trauriger: es ist der Gedenktag an die zehn ermordeten Großrabbiner während der Verfolgung von den Römern.

Der neunte Av (Ende Juli, Anfang August) ist der letzte „Festtag“ im liturgischen Jahr. Es ist ein Gedenktag um die Zerstörungen der Tempel (Der erste durch die Babylonier und der zweite durch die Römer) und ein 25 stündiger strenger Festtag. Die Geschichtlichen Ereignisse die auf den neunten Av fallen zeigen die Jahrtausende Verfolgung der Juden. Das Datum wurde und wird oft genutzt für Antisemitische Attacken, Kriege und Pogrome gegen Juden, jüdischen Gemeinden und Israel.

Im modernen Israel gibt es vier säkulare Gedenktage zwischen Pessach und Schavuot: Tag des Opfer der Shoa, Tag der gefallenen Soldaten, Tag der Gründung von Israel und Tag der Befreiung Jerusalems.

11) Kernglaubenssätze des Judentums

Das Judentum ist im Gegensatz des Christentums nicht zu hierarchisch und zentralistisch. Jede jüdische Gemeinde hat seine besonderen Bräuche und Vorstellungen. Deswegen gibt es das eine jüdische Glaubensbekenntnis nicht.

Ein Glaubensbekenntnis ist ein Text in den alle wichtigen Glaubenssätze knapp zusammengestellt beinhaltet und jede*r unterschreiben kann welche*r sich der Religion zugehörig fühlt. Es ist die Antwort auf das Wort Gottes und definiert Zugehörigkeit und Nicht Zugehörigkeit. Ein Glaubensbekenntnis grenzt aus, auch innerhalb des Glaubens und hat auch liturgische Bedeutung.

Im Judentum gibt es keine Konzile, wie im Christentum, oder ähnliche Autoritäten. Deswegen gibt es nichts Offizielles. Unumstritten sind aber zwei Texte: Das Shma Jisrael und die 13 Glaubenssätze des Maimonides. Die dort benannte Einzigartigkeit Gottes ist im Judentum wie auch im Islam gleich.

Der „Ich Bezug“ kommt in den 13 Glaubenssätzen vor im Shma Jisrael ist eher die Rede von Gott. Dieses sagt auch was ein jüdischer Mensch tun soll und die Glaubenssätze was der Mensch glauben soll. Aus der Sicht des Christentums sind die 13 Glaubenssätze eher ein Glaubensbekenntnis. Die Autorität des Shma Jisrael hat aber eine deutlich größere Autorität und ist aus jüdischer Perspektive ehr das Glaubensbekenntnis. Es ist Teil der schriftlichen Tora, welche von Gott gegeben ist und ist auch in der nach toraischen Geschichte sehr wichtig. Es steht in jedem Türrahmen geschrieben und sind im „Ideal Fall“ die letzten Worte eines*r jüdischen Märtyrer*in vor dem Tod.

Das Kiddusch HaSchem, die Heiligung des (göttlichen) namens ist das Lebensideal des Judentum. Dafür ist das Shma Jisrael eine Anweisung den handeln ist wichtiger als Wissen. Was getan werden soll steht im Shma Jisrael.

Das kollektive Hören ist ein hören Gottes für jedes Individuum selbst und das hören des Volkes Israel. Verantwortlich ist also jede*r Jude*Jüdin und das Kollektiv. Gott soll das ganze Leben erfüllen. Im abstrakten und logischen Denken (im Herzen), im Gewissen (die Nieren) und bei den Gefühlen (dem Darm). Die Seele wird nicht als die platonische, zweiteilige Seele gesehen sondern ist ein Symbol des essen, trinken, atmen etc. also ein Zeichen der Lebendigkeit und die Bedürftigkeit des Menschen. Die jüdische Seele bezieht sich auf den ganzen Menschen.

Die Speisegebot sind, wie schon ausführlicher erwähnt, sehr wichtig und spielen auch in der Tanach eine große Rolle. Jede*r Jude*Jüdin soll seine Talente, Fähigkeiten und vermögen mit den Armen teilen. Das einhalten der göttlichen Regeln, Gott zu lieben und zu dienen ist kein reiner aufopferner Akt den Gott belohnt auch, insbesondere durch Regen, den Segen Gottes.

Die Tora als Lebensweise und die Weitergabe der religiösen Traditionen ist sehr wichtig. Vom Aufstehen bis zum Schlafen gehen und im ganzen Leben sollen die Menschen von den Worten Gottes reden und danach handeln.

Das ständige reden über die Tora ist eine Art Erinnerungs- und All vergegenwärtigungs Kultur. Der Glaube muss im Handeln und von außen Sichtbar sein. Die traditionellen religiösen Kleidungsstücke wie auch Grundlagen der jüdischen Konfliktlösung sind in dem Shma Jisrael angelegt. Es wird oft ähnlich aber fast immer unterschiedlich ausgelegt und ausgelebt.

Das Judentum kann nicht einfach so begriffen werden und das Studium dauert Zeit und viel Lektüre. Die Tiefe und die Diversität ist groß aber auch das macht die besondere Faszination des jüdischen Glaubens, des Volkes und auch von Israel aus.

 

 

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