Konservativ? Ist das eine politische Richtung oder kann das weg?

Der Blog Beitrag zu meiner PAM14 Rede:

Anfang 2014 und mir wird übel, wenn ich mich in den Städten und Dörfern in Bayern umschaue. Nein, übel passt nicht wirklich, ich werde richtig wütend.
„Dahoam is dahoam“, „Für die Heimat“ „Bayern…“ „Für die schönste und beste Stadt/Markt/Dorf X.“ Jedes Wahlplakat mit dem gleichen Inhalt. Ob CSU, Bayernpartei oder SPD. Sie überschlagen sich mit Lobeshymmnen auf ein Fleckchen Erde, auf den sie zufällig leben. Sie appellieren an die nationalistischen Empfindungen der anderen Menschen, die zufällig auch auf diesem Fleckchen Erde leben.

Lokalpatriotismus wird so zum Politikersatz. Es scheint in diesen Wahlkämpfen nur darum zu gehen, wer den schöneren Löwen und das beste Rautenmuster auf dem Plakat hat.

Mich kotzt diese Heimatverliebtheit an, die so oft Hand in Hand mit Fremdenfeindlichkeit geht. Und die beginnt in Bayern nicht erst bei Migranten. Du sprichst nicht wie sie, du isst nicht wie sie, du siehst nicht aus wie sie und du bist nicht wie sie => Du bist nicht gleich wertig und du bist nicht Willkommen. Außer du hast genug Geld. Oder machst die Arbeit die niemand anderes machen möchte, aber dann bitte für wenig Geld. Und ja wenn man schon da ist, dann bitte so das man nichts von dir mitbekommt.

Mich kotzt dieses ganze Gedankenkonstrukt an. Dieser Lokalpatriotismus der sich speist aus einen tief verwurzelten Konservatismus.

Dieser „Konservatismus“, der gerne als politische Philosophie gesehen wird, entlarvt er sich immer wieder als absurde inhaltsleere Angst vor Veränderung.
Ich war mal fast der Meinung, dass Konservatismus in der Gesellschaft wichtig ist – als Gegengewicht für progressive Strömungen.

Ich weiß aber nun:
Selbstkritische liberale progressive Politiker brauchen den Dialog mit anderen, die an der Weiterentwicklung der Gesellschaft interessierten Menschen UND NICHT mit unpolitischen Bremsern die nur Geld verdienen und ihren Stand sichern wollen.

Sie schüren Ängste und bedienen sich populistischen Forderungen, nur um Macht zu erhalten oder Macht zu gewinnen. Und der Markt dafür scheint unerschöpfbar.
Es gibt immer wieder Abspaltungen des konservativen Lagers die Stark genug sind um, mindestens in Bayern, auf kommunaler Ebene Erfolg zu haben. Und dies obwohl die CSU innerhalb des Konservativen Lagers eine extreme Bindungskraft besitzt.

Das prominenteste Beispiel ist die Neu Erstarkung der Bayernpartei – die aus ihren Grab aufersteht in die sie Strauß in den 60er Jahren geprügelt hatte.

Aber klar, es ist ja auch so viel einfacher, sich hinter der (Herbeiphantasierten) „besseren“ Vergangenheit zu verstecken als sich den Aufgaben der Zukunft zu stellen. Das absurde ist ja das sie sich ja auf angebliche Geschichtliche Fakten beziehen die nie existierten.

Oder verdreht einfach alles so dass es in ihr Weltbild passt.

Ein konservatives Weltbild lebt von seiner Einfachheit: Das Problem ist, dass die Welt etwas sehr Komplexes und Pluralistisches ist, das man so einfach gar nicht begreifen kann.

Sie reden von Werten und einer Leitkultur die sie den Menschen, die diese nicht teilen, auf erzwingen wollen. Und hier geht es nicht um Werte die uns alle im Sinne der Aufklärung und des Humanismus verbinden. Nein es geht um Werte die ihre homophobe, fremden- und frauenfeindliche Welt bewahren und zementieren
Sie verstecken sich hinter Begriffen wie Patriotismus und Tradition. Aber es steckt immer das gleiche dahinter.

Wir könnten als Menschheit schon so viel weiter sein, wären da nicht diejenigen, die die Konservierung von Privilegien, von Machtpositionen, von Herrschaft aus Eigennutz als einziges Ziel vor Augen haben.

Sie sind der Grund warum ich, warum wir Politik machen MÜSSEN. Denn wenn wir diese Modernisierungsfeindlichen Politiker an den „Hebeln der Macht“ lassen, kann das böse enden. Nein. ich bin Mir sicher, es wird böse enden.

Viel besser ist es doch, in einer Welt zu leben wo wir voller Freude in die Zukunft gehen und uns gemeinsam Gedanken machen, wie wir Möglichkeiten nutzen und Probleme beseitigen. Und wo keine Diskussion einfach weggewischt wird mit „Das war schon immer so“, „Das haben wir ja noch nie gemacht“ oder ähnlichem.

Aber wenn ich durch Bayern fahre, wird mir übel und ich werde wütend. Konservatismus beherrscht die Politik und die Gesellschaft. Die Welt, die so schön sein könnte, ist durchzogen von Zerstörung und Hass, weil Angst vor der Zukunft und Menschen, die in diesem Weltbild gefangen sind, herrschen.

Wir dürfen ihnen nicht nur zuschauen, wie sie unsere gemeinsame Zukunft verspielen. Irgendwann ist es zu spät und ich hoffe, dass dies noch nicht der Fall ist.

Abschließend ein leicht abgeändertes Zitat von Wizo aus dem Lied Nana:
Deren Werte und Moral sind mir völlig scheißegal,
ich brauch weder Gott noch Vaterland,
[Die] können mich alle mal.

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Eine Antwort zu Konservativ? Ist das eine politische Richtung oder kann das weg?

  1. Anonymus schreibt:

    Sehr mutiger Beitrag! Das verdient Respekt. Muss mich der Sicht, wenn auch vielleicht nicht in allem, durchaus anschließen. Ich denke als selber zugezogener Niederbayer aus dem “Rest Deutschland”, dass die Jugend auf dem Land bereits um einiges offener ist als der klassische Stammtischbesucher. Bis diese Generation aber selber fähig ist Politik zu machen muss sie dem Einfluss rechtsradikaler und rechtskonservativer Kräfte standhalten – wobei ich persönlich weder rechts- noch linksradikaler Fan bin, nur letzteres hat hier ohnehin kaum Aussichten auf Aufmerksamkeit. Dass dieser Widerstand auch im Elternhaus teils unterminiert wird stelle ich leider auch hin und wieder fest; gerade wenn es um die “Ausländerfrage” und prinzipielles Interesse an allem hinterm Maisfeld geht.

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