Warum das Scheitern der Piratenpartei fatal wäre

Die Überlegungen begannen mit einem ganz unbedeutenden Tweet:

„Ich wollte nie austreten. #funfact #piraten“

Wollte ich das wirklich noch nie? Ja, ich habe oft versucht mir vorzustellen, was wäre, wenn ich von heute auf morgen die Piraten verlassen würde. Und ganz ehrlich: Ich konnte es gar nicht.

Ich bin Pirat. Und dies ist die Partei für Piraten. Immer noch! Und wird es noch lange bleiben.

Klar, ich bin auch irgendwo Grüner und irgendwie auch ein Liberaler und tief in mir drin sogar ein kleiner Linker (obwohl ich den Begriff immer noch ablehne, unter anderen weil ich das links/rechts Schema nicht funktional finde und besonders weil unter diesen Labeln so viel zusammen gefasst ist, mit dem ich mich Großteils nicht identifzieren kann 😉 ), aber ich könnte mir niemals vorstellen, solche hierarchischen Parteien zu unterstützen, und auf keinen Fall, Mitglied bei ihnen zu sein.

Wenn ich an die Parteistrukturen der SPD, CDU oder CSU denke, schüttelt es mich am ganzen Körper … Unglaublich, dass sich da wirklich „Deppen“ finden, die sich für diese Parteien den Rücken krumm machen.

Darauf zielte mein zweiter Tweet:

„Ich glaube, wenn du einmal bei den #Piraten aktiv warst, kann man in keiner „normalen“ Partei mehr glücklich werden.“

Und hier meine ich vor allem die Menschen, die, wie ich, bei den Piraten politisiert wurden. Wir kennen nur diese flachen Hierarchien, wir kennen nur diese Mitmachpartei, diese Kommunikationskultur, diese Werte und diese Ziele zu leben..

Wir durften uns gleich beim ersten Mal in der Politik einbringen, wo und wie wir wollten.

Und auch viele der Erfahreneren unter uns, bei denen die Piraten nicht die erste Partei ist, haben das erste mal wirklich eine politische Heimat gefunden. Wo sie wirklich teilhaben dürfen und nicht nur zuschauen (und nicken).
Unvorstellbar sind da Szenarien wie bei der SPD, wo das Programm vom Vorstand bestimmt wird und Parteitage nur noch Abnickveranstaltungen sind.

Dann folgte Tweet Nummer drei:

„Ich bin überzeugt, dass, wenn das Projekt @Piratenpartei scheitern würde, lange nichts Vergleichbares kommen wird. Zum Leiden der Gesellschaft!“

Was soll ich denn in einer anderen Partei? Alle etablierten Großparteien haben eine Struktur, eine Programmatik, eine Trägheit, welche ich nachvollziehen kann, aber bei der ich weder Teil sein kann noch möchte!
Und eine neue Partei gründen?

Ganz ehrlich. Würdet ihr euch, wenn die Piratenpartei scheitern würde, den ganzen Stress nochmal antun? Obwohl es beim ersten Mal nicht geklappt hat? Noch eine Partei mit den gleichen Inhalten, Werten und Strukturen? Das wird es nicht geben … da hat kaum einer Bock mehr. Teilaspekte, die für wenige wichtig sind, werden sicher auch weitergetragen aber das Gesamtkonzept?

Würde die Piratenpartei scheitern, würden sehr viele ihrer Mitglieder auch als Politiker scheitern. Weil deren Hoffnung auf Veränderung und Streben nach ihren Idealen enttäuscht wurden und weil ihre Kraft im Nichts verpuffte. Weil die Partei, in dem sie ihre Vorstellungen verwirklichen wollten, nicht klappen wollte (oder konnte?)

Eine ganze Generation politisierter Menschen würden den Glauben an die Wandelbarkeit der Parteienlandschaft in Deutschland wieder verlieren. Das traurige ist, dass sie ihn wahrscheinlich nie wieder finden.

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5 Antworten zu Warum das Scheitern der Piratenpartei fatal wäre

  1. Susanne bischoff schreibt:

    Hallo Piraten
    Ja,es ist höchste Zeit, dass wir ehrlich zu uns selbst sind.

    Dies ist wieder mal ein gute Beispiel dafür, dass wir noch weit entfernt
    davon sind die von uns verlangte Transparenz und Inklusion in der Partei
    zu leben.

    Die Piratenpartei ist Dank unserer Transparenz Strukturen, der Spiegel
    einer nicht funktionierenden Gesellschaft.
    Aber auch hier überwiegt die positive Seite.
    In keiner Partei in Deutschland sind Minderheiten und Menschen aller
    Gesellschaftsschichten zu finden. Das gibt es nur bei uns.
    Wir leben offen aus, was in dieser Gesellschaft nicht funktioniert.
    Ganz klar werden wir von der Öffentlichkeit als die in sich
    zerstrittende Partei emfunden, weil der Bürger nun mal lieber eine heile
    Welt hat.
    Auch die meisten Piraten hätten wohl gerne eine heile Welt, aber
    Demokratie und Inklusion sind nun mal die größte Herausforderung, die
    wir uns gestellt haben.
    Wir müssen innerparteilich an diesen Dingen arbeiten, denn wenn das bei
    uns funktioniert, funktioniert das möglicher Weise auch in weiten Teilen
    der Bevölkerung.

    Nachdem es sich hier bei diesem Fall nun um eine kleine Gruppierung der
    PP geht nehme ich das jetzt mal als Beispiel für unsere eigene
    Intolleranz mit der wir manche Gruppen oder Menschen nicht aktzeptieren
    wollen oder können.

    Ja am Anfang waren wir alle nur Piraten, egal welches Geschlecht.
    Aber wir waren neu und haben uns nicht mit internen Problemen beschäftigt.
    Es ist völlig normal, dass egal was man neu anpackt sich mit der Zeit
    Fehler, Schwächen und Konflikte einstellen, ganz egal, ob in Firmen oder
    in Parteien das ist überall gleich.
    Jetzt beginnt der Abschnitt, Fehler zu beheben an Schwächen und
    Konflikten zu arbeiten um für all diese störenden Elemente
    zufriedenstellende Lösungen zu finden.
    Viele empfinden die Piratencon als Störfaktor ,aber warum ?
    Ich bin weder Feministin, noch kann ich wirklich nachvollziehen, warum
    viele Frauen so denken. Das liegt ganz einfach daran, dass ich nie
    Nachteile hatte ,sondern eher Vorteile ,weil ich eine Frau bin.
    Aber trotzdem aktzeptiere ich diese Gruppe und finde sie auch für die
    Partei wichtig, weil es viele Frauen gibt, die so denken , weil eben
    unsere Gesellschaft nicht so funktioniert, wie wir das gerne hätten.
    Gerade weil wir auch mit diesem Thema transparent umgehen, wird die ein
    oder andere Wählerin uns wählen, weil sie sich und ihre Meinung von
    dieser Gruppe vertreten fühlt

    Deshalb bitte ich alle immer wenn sie sich ärgern sich unsere Werte in
    Erinnerung zu bringen. Inklusion, Toleranz, Transparenz.

    LG Susanne Bischoff
    @moddestyblaise

  2. ABC schreibt:

    Ja, das sind auch meine Gedanken – woanders geht es nicht und es wäre fatal, wenn diese Idee scheitert. Und das sage ich trotz der verrücktesten Erfahrungen, die ich machen musste. Aber es sind eben nicht einzelne Personen, die diese Partei ausmachen. Es ist das Recht jedes Einzelnen darauf zu pochen, dass diese Idee fortgeführt und Mitsprache umgesetzt wird. Das ist aber gleichzeitig der größte Fluch. Alle kämpfen -miteinander-, im doppelten und dreifachen Sinne. Es gibt nichts vergleichbares, aber umso wichtiger ist es, hier kein Parteiverständnis zu verteidigen und einer Polemik aufzusitzen, die jede Veränderung, jedes Thema, jedes Arbeitsverfahren von vorn herein unter Beschuss nimmt – sodass am Ende alle hilf-, ziel- und motivationslos rumrödeln. Politik als Selbstzweck ist keine Basisdemokratie. Nur weil alle mitreden können, heißt das nicht, dass am Ende Politik rauskommt. Viele Interessen, viel Blockade. Hier einen verlässlichen Arbeitsfluss herzustellen, der nicht einfach nur noch mehr Politik produziert, daran wird die Partei wachsen oder scheitern.

  3. Pingback: Warum das Scheitern der Piratenpartei fatal wäre | Wahlkreis300

  4. Matthias Zehe schreibt:

    Die Bewegung Piratenpartei stirbt dann, wenn sie ihre Ideale verrät und mit persönlichen Netzwerken demokratische Grundstrukturen aushebelt, um Meinungen zu unterdrücken.
    Autoritäre und hierarchische Verwaltungsstrukturen, die mit Mobbing, Ordnungsmaßnahmen und Verwarnungen arbeiten, sollten nicht geflissentlich übersehen werden, nur weil man sich persönliche Vorteile verspricht.
    Schöner Beitrag, um des Beitrages willen, oder um es wirklich umzusetzen?

    Piratige Grüße
    Matthias Zehe
    @pirat_mz

  5. Tante Jay schreibt:

    Die Piratenpartei scheitert an mehreren Dingen.

    1. Am eigenen Anspruch. Transparenz ist ja gut und schön, aber wenns an die eigene Transparenz geht, ist das plötzlich gar nicht mehr so… Stichwort Piratinnenkon.

    2. Am Vorstand. Der Dauerkrieg Ponader/Schlömer nervt nur noch. Und inzwischen sind beide so stark beschädigt, dass man das nicht mehr geradegebogen bekommt. Weg mit ihnen. Und zwar beide. Sorry, wenn das krass klingt, aber ihr müsst endlich mal WACH werden.

    3. An den Mitgliedern. Ihr habt einen Haufen Trolle und sonstiges Kroppzeug in der Partei, die nur Stunk machen wollen und ein bisschen ihre eigene Agenda durchbringen. AG nuclearia zum Beispiel. Demokratie ist ja schön und gut, aber entscheidet euch doch bitte mal für eine Richtung. Für was steht ihr eigentlich? Für das, was Nuclearia so losläßt („los, mehr Atomkraftwerke, die sind super“) oder für den Atomausstieg? Und macht doch mal bitte den Wählern klar, wo der Unterschied ist. Für *euch* in eurer Insel mag das ja alles toll sein, aber wie ihr nach außen wirkt für die, die diese Einblicke nicht haben, scheint irgendwie keinen zu interessieren.

    Und es sind eben NICHT nur die Protestwähler, wie wollt ihr denn Omma Luise mitnehmen, die vor diesem Kindergartenverein steht und sich fragt, ob sie DAS wählen soll? Ihr seid von professionellem Auftreten ungefähr so weit entfernt wie der Saturn von der Erde. Und auch wenn das keine Aufforderung zum Gleichmachen ist, oder für Konformismus, wäre es doch schön, wenn die Richtung mehr in Richtung „Sachlichkeit“ geht.

    Dabei habt ihr echt Potenzial. Die beiden Veranstaltungen im Dicken Engel, wo ich mich reingemogelt habe *g* sind echt geil gelaufen. Vor allem die Veranstaltung, die sich mit dem Thema Pädophilie befasst hat. Das hätte deutlich anders aussehen können. Warum kriegt ihr DAS nicht mal auf die Kette und publiziert sowas?

    4. an dem Nichtverstehen, dass Politiker bedeutet, Entscheidungen zu treffen und eben nicht mehr derjenige zu sein, der nur meckert. Insbesondere die Piraten Berlin haben, mit einigen Ausnahmen, dass noch nicht hinbekommen.

    Ihr braucht noch ein paar Jahre, dann kann das was werden. Wenn ihr die Punkte 1 – 3 endlich mal beherzigt.

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