Wo flirten aufhört und die Belästigung anfängt

Zur Thematik Sexismus habe ich mich bis jetzt nur mit ein paar #aufschrei-Tweets und einem Blogpost à la „verwässert den Begriff nicht“ geäußert. Aber ich ärgere mich nun schon ziemlich lange über dieses „Früher nannte man(n) es Flirten, heute ist es Sexismus“, „Wenn George Clooney den Spruch gebracht hätte statt Rainer Brüderle …“ oder „Darf man jetzt nicht mehr flirten?“ und so vieles mehr.

Wie kommt denn ein Mensch auf solche Aussagen? Wie kommt er auf solche Gedanken? Wann ist sexistisches Verhalten denn „flirten“? Und in welcher Welt soll das funktionieren?

Ist euch schon mal aufgefallen, dass die meisten dieser Nachgesänge auf die gute alte Kunst des Flirtens aus der Feder von Männern stammen? Ich weiß ja nicht, wie hoch deren „Trefferquote“ ist, aber mit einem Spruch wie „Du könntest ein Dirndl ausfüllen“ bekommt man aller höchstens verstörte Blicke, im schlechtesten Fall sogar einen Handabdruck im Gesicht.

Weil es halt auch einfach kein Flirten ist. Aber es ist auch kein Sexismus. Sexismus ist die Diskriminierung anhand des Geschlechts. Das passiert hier nicht. Nein. Es ist eiskalt eine Belästigung.

Eine, die es in sich hat, aber ich vermute, fast jede junge Frau kann von solchen Begegnungen mit Männern erzählen. Meistens mit älteren, „mächtigeren“ Männern gegenüber jungen, „wehrlosen“ Mädchen.

Das ist verstörend. Nicht nur für die Frau, sondern auch für die Menschen, die diesen Vorgang beobachten. Wie weit soll ich eingreifen? Sie wird bestimmt sagen, wenn es ihr zu viel ist …

Nein, wird sie nicht! Sie sind oft einfach eingeschüchtert oder einfach nur höflich. Oft wahrscheinlich auch beides. Sie werden vor unseren Augen belästigt und wir erkennen das, machen aber trotzdem nichts dagegen.

Banale sexuelle Sprache ist kein Flirten gegenüber fremden Frauen, sondern einfach eine ekelhafte, verstörende und nicht „zielführende“ Belästigung. Ebenso ist ungefragtes Anfassen der „Frau der Begierde“ eine Belästigung und im Grunde schon ein sexueller Übergriff.

Männer vom Schlag eines Rainer Brüderle sind nicht nur Sexisten und sie flirten definitiv nicht. Sie belästigen.

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Eine Antwort zu Wo flirten aufhört und die Belästigung anfängt

  1. Klischeepunk schreibt:

    Korrigier mich gern, aber begehst du hier nicht auch mehrfachen Logikbruch?
    Wenn wir den belästigten die Definitionsmacht zum Thema Belästigung zugestehen (was ich schonmal für Unfug halte, aber durchaus vertretbar), bedeutet das gleichzeitig, das andere (vermeintlich Belästigte) diesen Schritt gehen können um zu sagen „Ich mag das, bitte flirte weiter so mit mir“.

    Wir stehen wieder vor dem Problem der individuellen Grenzen, die du hier ignorierst und dich zum Maß der Dinge aufspielst (sorry für den Tonfall, bessere Formulierung mag mir nicht einfallen, ist keineswegs als Angriff gemeint).

    D.h. in der logischen Folge du hast für Personenkreis X hier etwas wahres gesagt. Für Personenkreis Y etwas falsches. Wobei hier noch keine Wertung erfolgt welcher der beiden Kreise recht hat. Der einzige Inhalt der Aussage ist: X fühlt sich belästigt, Y angeflirtet.

    Zu Brüderle konkret: Mag schlechter Stil sein, keine Frage. Mag auch eine beeindruckende Form sein sich gegenüber „jungen Mädels“ zu verhalten. Mag sogar tatsächlich eine Ausnutzung seiner Machtposition sein (daran zweifel ich allerdings wenn ich an den anzunehmenden Promillepegel von Brüderle denk). Aber – und das rechtfertigt das Verhalten nicht, es hinterfragt nur deine Schlußfolgerungen, – aus Jux und Tollerei hab ich mal genau das probiert, ist schon länger her als die Brüderledebatte. Des Abends in die Kneipe „hey hübsche Titten“ – wortwörtlich und ohne bestimmte Absicht – für einige Personen war es der Beginn eines Gesprächs, das zwischen Spaß und ernst geführt wurde, andere haben sich auf niedrigstem Level angegriffen gefühlt, für die dritten war es tatsächlich (erfolgreicher) Flirtbeginn.

    Was ist der korrekte Schluß? Welche der 3 Gruppen hat recht? Sind die bei denen die Anmache funktioniert schlechter? Wollten die das eigentlich gar nicht und haben sich nur nicht getraut mir das zu sagen? Wieso konnte ich dann Stunden mit ihnen Faseln oder sogar … naja bleiben wir dabei das ganze Unterhaltung zu nennen. Warum wurde es als Anknüpfpunkt genutzt? Warum fühlten sich $einige geschmeichelt?

    Binäre Logik wird abgelehnt, aber hier soll eine ganze Gruppe binär funktionieren? Kann mir das bitte jemand erklären? In einer Form die Allgemeingültig ist und auf $jede zutrifft?

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