Über die Wichtigkeit des gleichgewichtigen Kampf von Konservativismus und der Progressivität

Dieser Text ist inspiriert durch einen sehr verschrobenen und verwirrenden Traum in dem ich am Ende mit @DoroBaer in einem Auto sitzend genau über dieses Thema diskutiere. Natürlich war es nur ein gedanklicher Monolog (wie dieser Tex), aber ich möchte euch meine Sichtweise trotzdem näher bringen.

Wäre ich nicht so progressiv wäre ich sicher konservativ…

Die Argumentationen der Konservativen sind, da sie oft genau das Gegenteil meiner Ansichten wiederspiegeln, die, welche mich am meisten zum Nachdenken bringen. Auch sind ihre Antworten komplexer, da sie mehr Zeit zum Reifen hatten, als meine „utopischen Spinnereien“. Sie motivieren mich meine Gedanken selbst zu hinterfragen, sie zu konkretisieren und auch offensiver zu vertreten.

Dabei ertappe ich mich immer wieder, dass ich mich kurzfristig in deren Argumentationslinie wiederfinde und erst bei erneutem Nachdenken den Fehler finde, warum das für mich nicht die richtige Lösung auf ein Problem/Politikfeld ist.

Der Konservatismus als Gegenspieler erdet mich auf der einen Seite und treibt mich aber auch immer wieder zu politischem Handeln an.

Würden wir zu schnell rennen, wäre ein Stolpern katastrophal…

Eine Revolution bedeutet immer große Kollateralschäden, weil einfach das gesamte System, also die Realität, zu komplex ist und wir niemals alles begreifen können und somit viel zu viel beim radikalen Ändern vergessen würden. So ein neues, junges System ist deswegen instabil und kann auseinander brechen. Oft führt es aber zu einem Abkehren der „progressiven Werte“ zu einem weitaus schlimmerem System als das, welches man zuerst bekämpfte.

Deswegen war ich, trotz meiner oft „radikalen“ Ideen schon immer für die langsamere Version: Reformen statt Revolutionen. Weniger Zerstörung, mehr Erfolge! Man hat Zeit Fehler zu erkennen, Lösungen zu finden und diese auch Umzusetzen.

Genau das passiert, wenn sich ein Gleichgewicht zwischen konservativen und progressiven Strömungen ergibt und beide Seiten offen sind, einen politischen Konsens zu finden. Sie sind dann gezwungen miteinander zu reden und den Mittelweg ihrer beider Ansichten zu finden. Dann werden sie auch den Großteil der Menschen hinter sich vereinen können, aber auch nur, wenn sie ihren Konsens als eben diesen erklären und nicht als „Sieg für den Konservatismus bzw. der Progressivität“ verkaufen.

Ein leichtes Übergewicht der Progressiven ist, nach meiner Sicht, vorteilhafter als ein Patt der beiden Seiten. Ein Übergewicht der Konservativen eher schädlich, denn eine mehrheitliche Orientierung an der Vergangenheit kann schon aus logischer Sicht nicht lange funktionieren.

Konservatismus darf aber keine Ausrede sein um sich vor der Realität zu schützen…

Rassismus, Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Sozialdarwinismus und so vieles mehr sind keine Einstellungen, die sich irgendwo halten dürfen. Weder im Konservativen und schon gar nicht im Progressiven. Diese Abartigkeiten aus der Vergangenheit haben keine Berechtigung, um auch nur teilweise unser Leben zu beeinflussen.

Auch das Festhalten an einer nicht mehr existierenden Realität steht dem Konservatismus nicht gut und ist im Dialog mit der/den anderen Seite(n) eher schädlich als produktiv. Konservative müssen sich offensiv mit der Realität, mit den Argumenten der Progressiven und auch mit unterschiedlichen Zukunftsmodellen auseinander setzen. Das ständige Hochhalten der Vergangenheit als ein unfehlbares
Mantra ist ein Weglaufen von der Welt und von sich selbst.

Wir teilen uns eine Erde, also sollten wir auch so handeln

In einer pluralistischen Gesellschaft, wo es mindestens so viele Strömungen gibt, wie Menschen, ist es mehr als vermessen, zu behaupten irgendwer hätte die Weisheit mit dem Löffel gefressen. Uns muss klar sein, dass unsere Ideen immer fehlerhaft sein werden und wir niemals die perfekte Realität schaffen können. Lasst uns um unsere Visionen und Einstellungen streiten, gemeinsame Lösungen entwickeln und am Ende zusammen in einer Welt leben, in der sich ein Großteil aller Menschen gerne wiederfindet.

PS: Die Begriffe Konservatismus und Progressivität sind absichtlich so undefiniert geblieben, um ihnen nicht ihre Komplexität zu nehmen. Über eure Gedanken zu dem Thema wäre ich natürlich wie immer sehr erfreut 😉

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