Jeden Tag ein Antrag: P043 Beschneidungsdebatte: einheitliche Regelung statt religiös motivierter Ausnahmen

Link: http://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2012.2/Antragsportal/P043

Antragstext:
Der Bundesparteitag möge folgenden Text als Positionspapier verabschieden:
Die Piratenpartei spricht sich gegen die Schaffung gesetzlicher Ausnahmen zugunsten religiös motivierter Beschneidungen aus. Dies würde das Recht auf freie Religionsausübung über das Kindeswohl und die körperliche Unversehrtheit stellen, was wir nicht akzeptabel finden. Zugleich ruft die Piratenpartei dazu auf, die Diskussion auf sachlicher, medizinisch und wissenschaftlich fundierter Ebene zu führen und chirurgische Eingriffe an Kleinkindern nach deren medizinischen Folgen und nicht nach deren Begründung (beispielsweise als religiöses Ritual) zu beurteilen. Dabei muss vom Einzelfall ausgehend begründet werden, ob ein Eingriff medizinisch vorteilhaft (z.B. Impfung), medizinisch unbedenklich oder medizinisch nicht akzeptabel (z.B. weibliche Beschneidung) ist. Medizinisch aus Sicht des Kindes vorteilhafte und unbedenkliche Eingriffe sollen dabei einheitlich nach Ermessen der Eltern erlaubt, nicht akzeptable Eingriffe einheitlich verboten werden.

Was habe ich dazu zu sagen:
Zum Thema Beschneidung habe ich dieses Jahr schon mal einen Erfahrungsbericht geschrieben. https://kollegejansen.wordpress.com/2012/07/16/mein-penis-und-ich-ein-erfahrungsbericht/ Dort lehne ich die Beschneidung aus religiöser Motivation ab.

Was spricht dafür:
Die jetzige Ausnahmeregelung ist Mist – „Eigentlich bleibt es verboten, aber ihr dürft es trotzdem…“. Solche rechtlichen Grauzonen sind bei einem so heiklen Thema gefährlich! Ein klarer Gesetzesrahmen wäre vorteilhaft.
Auch das klare Bekenntnis, dass das Recht des Kindes vor den Rechten der Eltern steht, spricht klar für diesen Antrag.
Notwendig ist ein wissenschaftlich medizinischer Diskurs über die damit verbundenen Emotionen. Das könnte die Debatte versachlichen und die Wahrscheinlichkeit für einen gemeinschaftlichen Konsens erhöhen.

Was spricht dagegen:
Die Beschneidung von männlichen Kindern, aus jeder Motivation, wäre nach diesem Antrag sehr wahrscheinlich erlaubt. Da die Operation von vielen Experten als medizinisch unbedenklich eingeschätzt wird.

Also, wie solltet ihr entscheiden:
Es ist gar nicht so leicht für mich hier zu entscheiden. Ich weigere mich immer noch zu akzeptieren, dass Menschen aufgrund eines religösen Kultes, bei Kindern irreparable Veränderungen an deren Körper durchführen. Aber: Dieser Antrag ist gut. Er geht mit wenigen klaren Worten auf viele wichtige Punkte ein. Er bietet auch die Möglichkeit, eine Brücke zwischen den unterschiedlichsten Fronten zu schlagen. Deswegen würde ich diesen Antrag, auch weil ich ein Gegner der religiösen Beschneidung bin, sehr wahrscheinlich annehmen.
Wie ihr entscheidet, müsst ihr wissen, aber ich hoffe, ich konnte euch bei der Meinungsfindung helfen.

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2 Antworten zu Jeden Tag ein Antrag: P043 Beschneidungsdebatte: einheitliche Regelung statt religiös motivierter Ausnahmen

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