„Müll braucht auch Platz!“

Mit 21 Jahren einen Rückblick auf seine Jugend zu schreiben ist eigentlich nicht wirklich üblich. Das ich aber darauf gekommen bin weil ich das Schlagwort Müll gehört habe ist definitiv nicht normal. Aber üblich oder gar normal war es bei mir eh selten.

Nach vier Jahren Gymnasium, das ich dann als merkwürdiger Außenseiter mit 15 Jahren verlassen habe, stolperte ich in eine Gruppe Jugendlicher mit denen ich zum Großteil das letzte Mal im Grundschulalter etwas zu tun gehabt hatte.

Irgendwie gehörte ich dazu, aber einen wirklichen Platz hatte ich nicht. Die Außenseiterrolle durfte ich vorerst auch unter den neuen Voraussetzungen einnehmen.
Hineingestolpert bin ich da, dem FSM sei Dank, nicht ganz alleine. Meine besten Freunde gaben mir den Halt in der neuen Gruppe.

Zusammengesetzt war dieser Haufen aus Kindern und Jugendlicher zwischen 12-16 bei denen der männliche Anteil dominierte.
Die meisten gingen auf das Gymnasium aber vertreten warten alle Schultypen.
Wir waren daher doch alle sehr verschieden, was uns aber alle verband war die geographische Lage, unsere Jugend, Skateborden und diesen Drang nach Freiheit und diese Sehnsucht nach Abenteuer.

Wie die meisten Jugendliche mit solchen Attributen machten wir halt nicht immer wirklich Sinnvolle Dinge. Hauptsächlich Lärm und Dreck.
Wie die meisten älteren Menschen, die in einem ruhigen Dorf leben (Ich will sie jetzt nicht Spießer nennen) fanden das „nicht besonders toll“!
Deswegen hatten wir regelmäßig Auseinandersetzung mit Bewohnern und manchmal auch mit der hinzu gerufenen Polizei.

Und das radikalisierte unsere kleine Gruppe doch sehr und dann kam noch die ansetzende bis fortgeschrittene Pubertät dazu. Die Folge dieser Ereignisse war, dass wir uns von niemanden mehr was sagen ließen und wir einfach nur noch das Leben genießen wollten. Ohne Einschränkungen.

Aus den kleinen süßen Jungs und Mädels mit zu viel Freizeit wurden „Anarchisten“ in einer Selbstfindungsphase.
Und für die war kein Platz in der Gesellschaft.
Nirgends. Nicht im Dorf auf der Spielstraße, dem Spielplatz oder dem Sportplatz. Nicht in der Stadt egal ob in Kelheim oder Regensburg. Keiner wollte uns.

Zunächst reagierten wir mit Wut und Trotz aber wir wollten ja anders sein als die, welche uns bekämpften. Deswegen überlegten wir, trafen uns mit den Anwohnern, unserem Eltern und dem Bürgermeister, verlangten von einem Skateplatz bis zu einem Jugendzentrum alles UND bekamen, außer schöne Worte, nichts.

Wir begriffen es nicht. Jeder und Alles hatte seinen Platz auf dieser Welt. Sogar Müll. Aber für die sogenannte „Zukunft“ gab es denn nicht?

Unser Protest gipfelte sich indem wir uns dem Faschingsumzug unangemeldet anschlossen verkleidet als Müllsäcke mit einem Transparenten „Müll braucht auch Platz“ und „Wir auch!“
Irgendwie war das ja schon süß. Natürlich hatte es niemanden interessiert aber wir nahmen uns so kurzfristig den Platz der uns verwehrt blieb.

Nun das ist jetzt schon über 5 Jahre her und wir studieren, arbeiten und gehen sogar teilweise noch zur Schule und manche schlagen sich irgendwie so durch. Die wenigsten sehe ich regelmäßig und wenn dann doch eher zufällig.

Aber was uns verbindet ist immer noch diese Sehnsucht nach Freiheit und die Suche nach unserem Platz.
Ob wir, ob ich, diesen finden werde ist noch nicht klar. Aber aufhören dafür zu kämpfen werde ich nie.

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Eine Antwort zu „Müll braucht auch Platz!“

  1. Stalker schreibt:

    ??? Mit 15 das Gymnasium verlassen?????

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