Ein Besuch in einer anderen Welt


Jeder Anfang ist schwer
23.12.11 Istanbul Flughafen 12:32

Reisebericht XYZ10000. Da ich nicht weiß wie viele Reisen ich schon erleben durfte und wie viele Reiseberichte ich schon verfasste kann die Bezeichnung durch eine x beliebige Zahl, Begriff oder alles erdenkliche ersetzt werden. Von mir aus 1, ABC oder Penis.
Da diese Reise mit meiner kompletten nähren biologischen Familie ist, vielleicht eine der letzten zusammen, zwingen mich die Auswirkungen dieser Begebenheit, wie die Präsenz meiner Mutter die zum Aufbrechen drängt, den ersten Eintrag kompakter zu verfassen wie geplant.
Also mein Standort:
Flughafen, Istanbul, Türkei, Asien (oder Europa weiß auf der schnelle nicht auf welcher Seite der Flughafen liegt) Welt
Warum ich hier bin?
Zwischenlandung auf dem Flug nach Accra zu meiner Schwester Ina.
Grund warum ich hier das erste Mal abbreche:
Mutter und meine kleinste Schwester sind schon unterwegs zum Abflug Gate und ich will den Flug nicht verpassen.

Fliegen, Essen und Gepäck

23.12.11 Irgendwo im Himmel zu irgendeiner Zeit auf jeden Fall nach 15 Uhr Türkische Zeitzone

Die Angst einen Flug zu verpassen ist ja oft nicht berechtigt. Vor allen nicht wenn man von Istanbul über Nigeria nach Accra (Ghana) fliegen will. Es spielte sich ein ähnliches Szenario ab welches mein Vater beschrieb, der schon vor ein paar Wochen nach Ghana flog.
Es gab zu viel Handgepäck. Hauptsächlich Nigerianer suchten freie Plätze suchten nach noch den kleinsten Stauraum für ihr vielen Gepäckstücken UND ihre neu erworbene Duty free Ware. Hauptsächlich Alkohol und Süßigkeiten. Irgendwann suchten leicht verzweifelt wirkendes Flugpersonal mit den verärgerten Passagieren die sicherlich irgendwo freien aber nicht auffindbaren Gepäcksplätzen.
Wie sie die dann fanden bleibt mir ein Rätsel. Wir starteten dann mit ca. eine dreiviertel Stunde Verspätung um 15 Uhr.
Langsam aber sicher macht sich mein Hunger bemerkbar. Ich würde gerne auf gutes Essen hoffen aber ich bin einfach in einem Flugzeug. Die Zeichen stehen schlecht.

Schlafverhalten

23.12.11 10700 m hoch und noch 2063 km bis Laos Uhrzeit ca. 17 Uhr

Da wacht man auf und denkt es ist Nacht.
Komplett dunkel, fast jeder schläft und der TV zeigt nur die Flugdaten.
WOW muss ich lange geschlafen haben.
Sollte man denken.
Ich erblicke in der Ferne ein „offenes“ Fenster und das ermöglicht einen Blick nach draußen und dort ist es: Hell!

Aber warum denke ich dass es Nacht ist?
Weil es dunkel ist.
Aber warum ist es dunkel?
Weil die Menschen an den Fenstern schlafen wollten und somit Fensterläden geschlossen haben.
Fast jeder Fensterladen ist zu.
Fast jeder schläft. Das ist faszinierend. Lauter Individuen die unabhängig zu einander ihre Fenster geschlossen haben bzw. schlafen gehen wollten. Naja unabhängig stimmt nicht wirklich.
Wir sind vielleicht aus verschiedenen Ländern aber hauptsächlich aus ähnlichen Zeitzonen. Auch haben wir hier alle gleichzeitig gegessen und sind fast identisch lang in diesem Flugzeug. Es gibt drei verschiedene Essensgruppen:
Die mit dem Rindergericht, die andere mit dem Hühnchen oder die welche gar nichts gegessen hatten. Bei den ersten zwei Gruppen erkenne ich keine Unterschiede im Schlafverhalten die auf das Essen zurück zu führen sind. Gruppe drei kann ich nicht beurteilen da keiner in meinen Umfeld beobachten konnte. (Ich vermute einfach das diese „Geistgruppe“ existiert)
Ich denke aber das wir zu gleichen Zeit gegessen haben spielt mehr eine Rolle im Bezug auf das Schlafverhalten als was wir gegessen haben.
Dann müssten der vordere und der hintere Teil des Flugzeug, welche zuerst das Essen bekommen, als erstes einschlafen bzw. aufwachen.
Die Hauptsache denke ich aber ist das eine Person anfängt sich zur Ruhe zu begeben. Er schaltet sein Licht aus und wenn er am Fenster sitzt verdunkelt er es. Das führt zur zwei Effekten:
Es wird dunkel => Menschen werden müde
Andere Menschen in der Umgebung sehen den Menschen und denken sich bewusst oder unbewusst:
„Hey Schlafen ist eine gute Idee“
 Es schlafen mehrere. Mehr verdunkeln ihre Plätze, mehr Menschen nehmen sich die schlafenden als Vorbild.
Wenn genug Leute schlafen, wenn eine bestimmte kritische Menge erreicht ist, schaltete das Bordpersonal auf Schlafbeleuchtung.
 Es ist irgendwann so dunkel das der Körper meint es ist Nacht. Es ist aber eine künstliche, durch unsere eigene Hand geschaffen, Nacht.
In großen Flugzeugen muss es aber teilweise unterschiedliche Phasen gleichzeitig verteilt auf den Passagierraum geben da die lokalen Gruppen sehr eingeschränkten Wirkungsbereich haben. Dadurch das man ganz hinten am meisten beobachtete und je weiter hinter man ist dies zunimmt wird der Phasenumschwung immer schneller.
Es stellen sich immer weitere sehr interessante Fragen. Aber eine sticht raus:
„Wer hat angefangen?“
Dadurch das ich mich schlafen gelegt habe als es hell, also „Tag“ war und in der „Nacht“ aufgewacht bin war ich auf jeden Fall nahe am Anfang.

PS: Die Phasen gehen nämlich natürlich automatisch auch anders rum
PS²: Essen war erstaunlicherweise echt lecker. Für Flugzeug Essen.

Das erste Mal

23.12.11 Laos 19:40 Uhr

Das erste Mal in meinem Leben stehe ich indirekt auf afrikanischen Boden. In Nigeria.
Was ich bis jetzt sagen kann?
Gar nichts. Sitze ja immer noch im Flugzeug und warte. Warte auf den weiteren Flug nach Accra, der Hauptstadt von Ghana. Ich habe noch gar nicht wirklich die Hintergründe dieser Reise beleuchtet. Wie gesagt ich fliege mit meiner kleinen Schwester Lea und meiner Mutter nach Ghana. Dort macht meine andere jüngere Schwester ein Freiwilligen Jahr und spielt den Lehrer in einer Dorfschule. Mein Vater der durch äußere Umstände keine beruflichen Verpflichtungen mehr in Deutschland hatte flog schon am 9 Dezember zu ihr. In seinen, wie in unserem Gepäck, befinden sich aber weniger Sachen für uns. Hauptsächlich Fußball- und Unterrichtsmaterial für die Kinder in Inas Schule. Wir haben zu dritt ca. 170 kg Gepäck dabei verteilt auf sechs Koffer dreimal Handgepäck und nochmal drei Handtaschen. Gespendet von vielen Freunden und Bekannten.
Ich hatte natürlich die Möglichkeit schon mit meinen Vater mit zufahren aber so Vorbildlich ich bin, was ihr ja alle wisst, wollte ich nichts vom Studium verpassen.
Das Flugpersonal zählt jetzt wie viele Sitze frei sind. Um vielleicht zu schauen ob alle draußen sind die raus sollen? Oder das nicht mehr raus sind als sie sollen? Ich weiß es nicht wirklich.
Ich vermute aber dieses Geheimnis wird mir verborgen bleiben.

Freunde findet man überall

24.12.11 Fethe Hotel „Tills“ 3:00

Eigentlich wollte ich über das Wetter reden oder über meine ersten Eindrücke in Ghana. Wahrscheinlich hätte ich euch von dem Streit mit dem Taxifahrer erzählen die 150 € für die Fahrt wollten.
Oder dessen Fahrkünsten. Aber nein das wird nicht das Thema des ersten Bericht aus Ghana sein den ich total übermüde schreiben werde. Nein der Bericht handelt von Bright. Der erste Ghanaer mit dem ich mich länger unterhalten habe. Der 23-Jährige Pförtner, Chairmen, Servicekraft, Nachtwächter etc. arbeitet erst seit 2 Wochen in unserem Hotel. Wie er mir sagte wird man hier aber erst bezahlt wenn man einen Probemonat kostenlos gearbeitet hat. Natürlich ist er dann besonders freundlich und aufgeschlossen. Ich fragte nach seinen Namen und startete somit ein Gespräch das dann 1 ½ Stunden dauerte. Es ging um die Ungerechtigkeit bei der Verteilung der Güter auf der Welt, ein bisschen um Kultur und Religion (obwohl das Thema hier sehr Heikel ist) und um unsere Zukunftspläne. Er wirkt wie in sehr intelligenter offener Mensch der kaum Chance hat daraus zu machen nur weil er auf dem „falschen teil“ der Erdkugel geboren ist. Als Halbwaise ohne Vater ist die weiterführende Ausbildung zu teuer. Er würde gerne Arzt werden aber das kann er sich nicht leisten. Sein Ausweg: Militär oder Polizei.
Viel weiteres interessantes gäbe es zu erzählen aber er selbst sagte mir gerade das man es mir an den Augen ansieht das ich kaum geschlafen habe.
Da hat er wohl Recht mein „Ghana Friend“.

Daheim

24.12.11 Fethe 11 Uhr 30

Irgendwie habe ich das vermisst. Das mit meiner Schwester in einem Zimmer gammeln und über alles und nichts reden.
Einfach egal was um uns passiert es interessiert uns erst mal nicht.
Dann entdecke ich die Gitarre in der linken Ecke und beginn sie stümperhaft zu stimmen. Als ich endlich anfange zu spielen sitzt nicht jede Note aber es erinnert mich das ich dieses Hobby nicht schweifen lassen sollte.
Inspiriert von meinen „Taten“ baut meine Schwester ihr neues Keyboard aus. Auch ihr merkt man die lange Zeit ohne Übung an. Das alles erinnert mich an daheim. Auch wenn das Meeresrauschen im Hintergrund nicht typisch Heimisch ist. Jetzt fängt sie an zu singen und ich werde wieder neidisch um ihr Talent. Aber viel mehr bin ich stolz auf sie.
Ich fang gerade an zu begreifen wie sehr ich sie doch vermisst habe. Aber jetzt ist sie ja erst mal zwei Wochen in meiner Nähe.

Lila Sauerkraut

24.12.11 Fethe 16:30 Uhr

Zwei Sachen die mich nerven das ich hier keinen Laptop mit Internetzugang habe.
Erstens ich bekomme kein direktes Feedback was ich ja sonst gewohnt bin.
Zweitens ist die ewige Suche nach dem Stift.
Gerade habe ich keinen meiner „hochqualitativen“ Piratenkugelschreiber gefunden und musste auf einen Lila Holzstift zurückgreifen.
Obwohl mir es recht gut gefällt wenn ich es so näher betrachte. Aber diesen Originalskript werdet ihr eh nicht unter die Augen bekommen. Mir ist gerade aufgefallen das heute der 24 ist das bedeutet heute ist der „heilige“ Abend.
Die Coca Cola Weihnachtsmänner mit ihren roten Mäntel die Merry Christmas wünschen wirken grotesk unter Palmen bei über 30 Grad.
Auch bei meinem traditionellen Weihnachtsessen gibt es Änderungen. Würsteln werden durch Hummer und das Sauerkraut durch Reis ersetzt.

Heilige Nacht

24.12.11 Fethe 23:15

Es ist echt schwer einen Weihnachtseintrag zu schreiben wenn es mitten in der Nacht so schwül ist das man am liebsten Nacht ins Meer springen möchte. Obwohl dem Meeresrauschen nach, wäre das im Moment keine so gute Idee.
Das heutige Szenario war … ich glaube man kann einfach nur komisch nennen.
Zur Einstimmung auf die „heilige“ Nacht saßen wir auf dem Balkongelände, schauten den spannenden Kampf zwischen Schlange gegen Kröte an und hörten besinnliche Ghanaischen Hip Hop.
Bewaffnet mit Hunger und einer blickende Weihnachtsmütze machten wir uns auf zu unsrem Weihnachtsessen.
In unseren Pavillon am Strand stand eine geschmückte halbe Plastik Tanne. (Die Spitze war einfach nicht da) Nach dem Essen feierten wir den Ursprung der Amerikanischen Weihnachtstradition mit einer Runde Cola.
Aber endlich war es soweit: Bescherung.
Das Klingeln des „Christkind“ ertönte aus dem Handy und wir fanden uns im Zimmer meiner Eltern ein welches auf winterliche 16 Grad Celsius herunter gekühlt wurde. Wir fassten uns die Hände und stellten uns um unsere festlich geschmückte Ananas.
Wir einigten uns auf Oh Tannenbaum ohne Christlichen Hintergrund um Rücksicht auf die Atheisten (alias mir+ meine Schwestern) Das es dann bald zu „Oh Ananas“ wurde störte dabei dann natürlich niemanden. Nach dem Geschenke auspacken, Lebkuchen von Oma und ein paar Runden Uno waren wir so fertig das wir einstimmig die TO-Punkt „schlafen gehen“ bestimmten.
Obwohl ich jetzt schwitzend auf einen grünen Sessel hocke, ein verstörender Afrikanischer Film nebenbei läuft und ich kann das Salz des Meeres riechen muss ich sagen das es ein schönes Weihnachten war.
Denn es ist egal wo man feiert oder was man feiert. Es geht nur darum mit wem man feiert und ich feierte mit meinen liebsten Personen: Meiner Familie.

Sehnsucht

25.12.11 Fethe 12:15 Uhr

Kennt ihr das? Diesen Moment an dem du einen Menschen vermisst. Diesen Augenblick der Sehnsucht? Wo du aber insgeheim in dir weißt das diese Sehnen vergebens ist.

Sehenswürdigkeiten

25.12.11 Ojobi 16:13 Uhr

Wie beschreibt man etwas was einfach anders ist? Es gibt den Ausspruch „This is africa“
Aber ich glaube diesen zu verwenden ist wie zu sagen „This is europe“. Afrika ist genauso vielfertig wie unser Heimatkontinent. Selbst in Ghana selbst ist die Vielfältigkeit mindestens genauso groß wie z.B. in Deutschland.
Aber ich konnte mir einfach nichts vorstellen als Prince, Bright, Maxwell, Christopher und Co. Mir ihren „Park“ und ihren „Mountain“ zeigen wollten.
Die Nachtbarjungen waren regelrecht aus dem Häuschen als ich ihnen mitteilte, dass ich diese Plätze gerne sehen würde.
Links und rechts einen an der Hand und die anderen um mich herum führten mich die Kinder durch ihr Dorf. Dorf bedeutet eine Ansammlung von Häusern die an keiner Straße liegen und teilweise getrennt sind durch wildes oder kultiviertes Land. Vorbei an einigen Hütten, einer Hochzeit und unzähligen Einwohnern erreichten wir ein mit hohen verdorrten Graß bewachsen und am Anfang mit Müll geschmückten Feld in dem ein kleiner Trampelpfad hindurchführte. Auf dem Boden fiel mir schwarze Asche auf. Maxwell erklärte mir das komme vom Hasenjagen. Dort würden sie die Felder anzünden und die Hasen die flüchten wollen können sie dann leichter erlegen.
Nach der letzten Biegung sah man dann ein weites großes Feld. Der „Park“.
Er war so groß wie höchsten 1 ½ Fußballfelder und war einfach nur festgestampfte Erde. Am Anfang war der „Basketballplatz“ ein kleines nicht eingegrenztes Feld mit zwei Holzstangen auf denen ein Ring befestigt war. Hier könnten sie sich den großen Mannschaftssportarten widmen wäre da nicht ein Problem: Bälle sind Mangelware.
Egal wie Trostlos die braune Fläche aussah die Kinder zeigten sie mir mit vollem Stolz. Den egal wie trostlos er war es war ihr Platz. Selbst das kleinste im Leben kann für jemanden alles sein.
Ob man es versteht oder nicht ist ja egal. Aber „this is Ghana“

Der Berg der eigentlich keiner war

25.12.11 Ojobi 17 Uhr 12

Als ich den Eintrag von vorher anfing hockte sich Laura neben mich. Laura ist die zweite Freiwillige die mit Ina in Ojobi lebt und arbeitet. Sie saß da und meinte irgendwann ob ich „the rocks“ sehen möchte. „Ob das der „Mountain“ ist den mir die Kinder vorher dann doch nicht gezeigt haben?“ fragte ich mich und bejahte ihre Frage. Zusammen mit zwei Ghanaischen Freunden von Laura und meiner kleinsten Schwester machten wir uns auf den Weg. Den gleichen Weg wie vorher mit der kleinen Rasselbande. Nur ging es nach dem „Park“ weiter in die Wildnis bzw. man dachte es wäre die Wildnis. Zuerst nur unbebautes wildes Land und ab und zu ein Haus. Dann kamen wir bei „the rocks“ oder dem „mountain“ an. Beide Bezeichnungen waren nicht ganz richtig aber auch beide nicht ganz falsch. Es war nämlich ein „rock“. Ein riesen großer Stein versteckt hinter Häusern und vor allem Pflanzen. Und von dort oben schreibe ich gerade. Wir sitzen hier und beobachten die Umgebung.
Die Sonne geht schon langsam unter und taucht das Land in ein wunderschönes oranges Rot. Aus Lauras Handy ertönt melodische Trance und lädt zum Träumen ein. Wenn man von hier runter Blickt fühlt man sich Frei. Frei von allen Sorgen, allen Zwängen und Nöten. Die grenzenlose Freiheit. Nur du und die Welt. Das weckt wieder die Sehnsucht in mir. Die Sehnsucht der Ferne. Die Sehnsucht nach dem Abenteuer. Die Sehnsucht die Freiheit zu leben.
Aber die Zeit dafür ist einfach noch nicht gekommen. Die Freiheit die ich will ist erst ansatzweise möglich und leider nur für sehr wenige Menschen. Erst wenn die Welt freier und gerechter ist werde ich mit guten Gewissen mich ganz ihr hingeben. Solange werde ich arbeiten das dies so schnell wie möglich Realität wird.

Ein Experiment

26.12.11 Fethe 2:57 Uhr

Das ist jetzt mal ein Experiment. Ich schreibe einen Eintrag als sms. Warum es dazu kam?
Tja Laura und ich wollten nach dem wir heute Essen waren noch Party machen. In einem Ghanaischen Dorf recht schwer. Eingedeckt mit Cola und Alkohol machten wir uns auf den Weg durch das Dorf. Die Getränke wurden leerer aber eine wirkliche Party konnten wir nicht finden. Also entschlossen wir uns zum Hotel Strand zu gehen. Nach philosophisch angehauchten und von Alkohol beflügelten Gesprächen war Nachtbaden in Unterwäsche unsere nächste Schnapsidee.
Die Angst vor den unbekannten, in diesem Fall die Angst vor den unbekannten Gewässern, führte dazu das daraus im seichten Wasser spazieren und rumliegen wurde.
Nach ein paar meditativen Stunden wollten wir eigentlich ins Hotel zurück um zu schlafen (und duschen). Kurz bevor wir dieses Ziel erreichten rief Lauras Freundin (oder Exfreundin bin da nicht ganz durchgestiegen)an. Laura drückte mir ihre Kleidung in die Hand und seit dem warte ich vor dem Hotel Eingang, höre den Wellen zu und finde die Zeit diese Monster SMS die natürlich niemals abgeschickt wird zu schreiben. Wenn wir schon mal Zeit haben und bei sms(en?) sind: Habe mal ein paar alte Kurzmitteilungen durchgegangen die ich auf das Handy hier retten konnte. Dabei ne alte SMS von Anni gefunden als sie sauer war weil ich sehr respektlos gegenüber der Glaubensgemeinschaft ihrer Familie. Ich schäme mich jetzt im nach hinein. Das sind nicht die Werte der Toleranz und Glaubensfreiheit die ich jetzt vertrete. Keine Ahnung wie sie damals geschafft hat mir das zu verzeihen. Ach habe einen Standortwechsel verzogen. Hocke jetzt nackt und voller Sand auf unseren Balkon. Hat was.

Ruhe

26.12.11 Fethe 21:37

Endlich sind sie weg. Meine Eltern in ihrem Zimmer, Ina und Laura am Strand und Leb bei meinen Eltern. Ok das Lea weg ist finde ich soweit nicht super weil dies im Zusammenhang steht das sie krank ist.
Und um euch darzustellen wie schwierig es ist hier allein zu sein: Als ich diese paar Sätze geschrieben habe war einmal Ina und zweimal meiner Mutter in unserem Zimmer. Dabei will und brauche ich einfach nur Ruhe.
Die Grillen und das Meer sind davon ausgenommen. Mit denen kann ich leben. Auch das Geräusch der Klimaanlage nehme ich in kauf dafür macht es das schlafen in diesen Raum erträglich.
Aber Menschen brauche ich im Moment keine.
Außer auf der Toilette war ich in Ghana noch nie allein. Ich finde Menschen ja schon ganz nett aber ständig sollten sie nicht in meiner Nähe sein.
Ich denke die restliche Beschäftigung des Tages wird schreiben, lesen und schlafen. In der Reihenfolge. Das kann man allein am besten.
Habe heute übrigens ein bisschen mehr von der Umgebung gesehen: Drei Stunden mit dem Taxi durch die Pampa. Eine Odyssee auf der Suche nach einem funktionierenden Bankautomat der Mastercard akzeptiert.
Wie sich am Ende herausstellte ein unmögliches Unterfangen.
Drei Stunden Taxifahrt für umgerechnet 15 Euro.
Solche Preise wünsche ich mir auch Zuhause. Dann müsste ich nicht immer schon um 21 Uhr meine „Dates“ beenden weil der letzte Bus um halb 10 fährt.
Aber die Taxis die hier rumfahren würden in Deutschland nicht zugelassen. Der TÜV Mitarbeiter würde einen wohl auslachen wenn man mit so einem Gefährt auftaucht.
Und die Taxifahrer in Deutschland haben wenigstens einen Führerschein.

Sich zur Echse machen

27.12.11 Fethe 10:08 Uhr

Beim Frühstück kann man auf dem Hotelgelände eine Echsenart beobachten. Die Männchen sind so groß wie eine Ratte, grau und mit einem roten Kopf. Das Weibchen nicht größer als gewöhnliche Garteneidechsen und sehr unscheinbar . Die Männchen sind aber trotzdem ganz verrückt nach ihnen und ihre einzige Beschäftigung am Tag scheint das Werben um ihre Gunst zu sein. Das machen sie indem sie voller Inbrunst ihren hoch roten Kopf von oben nach unten bewegen um die Aufmerksamkeit ihrer weiblichen Artgenossen zu erreichen. Die lässt dieser Zirkus meist ziemlich kalt. Das Weibchen das ich gerade beobachte würdigt ihrem Verehrer nicht mal einen Blick. Aber der Echsen Mann lässt sich davon nicht beirren und verstärkt seine Bemühungen. Langsam aber sicher kommt er dem Objekt seiner Begierde immer näher.
Bis es ihr zu bunt wird und verschwindet.
Der liebeswütige Saurierbruder scheint das aber nicht zu stören. Er scheint es sogar nicht mal mitbekommen zu haben. Wie in Trance setzt er seinen Liebestanz fort.
Traurig den er scheint nicht zu wissen das es einfach nicht mehr zum Erfolg führen wird.
So lustig das auch ist dem Tier bei seinen vergebenen Bemühungen zuzuschauen desto bekannter wird mir das Verhalten.
Die Ähnlichkeit zum Menschen ist verblüffend.

Die weiße Nanna

27.12.11 Amoanda 12:23 Uhr

Die Uhrzeit dort oben war die Zeit als ich mir die Notizen gemacht hatte zu diesem Beitrag. Den Beitrag schreibe ich gerade im kalten Deutschland im Büro meines Vaters. Der Tag den ich zu beschreiben versuche liegt nun schon zwei Wochen zurück und trotzdem kann ich was dort passiert ist noch nicht wirklich begreifen. Ich versuche euch trotzdem einen guten Einblick zu verschaffen in dieses wunderliche Schauspiel.
Mein Vater und ich trafen uns in Ojobi mit Josef. Josef ist ein etwas älterer Mann welcher meinen Vater die letzten Wochen die Umgebung gezeigt hat. Hauptsächlich mit dem Hintergedanken das wir hier investieren oder Leute finden die hier investieren sollen. Heute war der Plan sein Heimatdorf zu besuchen wo er auch „Chief“ ist.
Natürlich zahlte mein Vater wieder die Taxifahrt. Also er wurde nicht dazu gezwungen aber Josef nahm es als selbstverständlich hin.
Auf der Fahrt nach Amoanda zeigte er uns die Ananas Plantagen die zu einer Schweizer Firma gehören die auf ihrem Land Ananassaft machen. Die Landabschnitte die zu dem Dorf gehörten waren schon beeindruckend groß und grün. Also auf jeden Fall Land mit Potenzial.
Aber erst als wir ankamen wurde es erst wirklich interessant.
Wir gingen in das Haus Josef Onkels, dem Familien Oberhaupt. Er ist nicht der Oberchief. Das ist der Bruder von Josef der nicht anwesend ist.
Der Innenhof in den wir nun hocken ist Rosa gestrichen und im Boden ist die Jahreszahl der Fertigstellung des Gebäudes in den Beton geschrieben: 1970
Dort werden wir vom Familien Oberhaupt begrüßt. Zunächst ist nur er Anwesend aber dann strömen immer durch die Tür.
Der Raum füllt sich langsam. Die ganz jungen, zwischen 20-25 Jahre hocken sich rechts vom Eingang wir sitzen auf einem Sofa links von der Tür. Uns gegenüber andere Dorfälteste und Chiefs. Auf den Nanna Sitzen hockt Josefs Onkel und eine weiter Person.
Wenn Rang höhere Dorfmitglieder den Raum betreten stehen die mit niedrigeren Rang auf und machen ihnen Platz.
Als alle wichtigen Mitglieder versammelt sind werden wir erst mal offiziell willkommen geheißen.
Das Willkommen Ritual wird eingeleitet das das Familienoberhaupt eine alte Gin Flasche aus seinem Gemächern holt. In ihr ist eine braune Flüssigkeit und bis zur Hälfte braune Scheiben die nach Rinde ausschauen.
Scheinbar der Abgeordnete des Dorfes, seine wirkliche Funktion habe ich dann nicht wirklich verstanden, füllt ein wenig aus der Flasche in ein Glas, betet zu den Ahnen, nimmt einen Schluck und schüttet den Rest aus dem Glass auf den Boden.
Ähnliches macht danach der Onkel nur das er kaum was spricht. Dann ist der Mann neben ihm dran, der zweite auf einem Nannastuhl. Er erklärt uns dass sie danken das wir gut hergekommen sind und bitten das uns auf der Heimreise auch nichts passiert. Dann wiederholt er die Prozedur. Nach Josef kommt dann mein Vater dran. Beide halten eine kleine Rede. Wer wir sind und was wir hier machen etc.. Dann bin ich an der Reihe.
Die braune Flüssigkeit in meinen Glas entpuppt sich als ich es näher betrachte als Alkohol. Er riecht furchtbar und er schmeckt noch viel schlimmer. Nur der kleine Schluck reicht aus mich leicht benommen zu machen.
Da sind auf jeden Fall noch Interessantere Dinge drin als nur Alkohol.
Josef erzählt von einem Community Center. Das so was benötigt wird. Dort soll neben einer Bibliothek auch ein Internetcafé und ein Erste Hilfe Büro sein.
Ich weiß nicht wie sie dazu kommen aber das führte dazu das sie meinen Vater zum Chief of Develoment machen wollten. Also er wurde nicht gefragt.
Aber ich glaube das war die ganze Zeit Josefs Plan. Er sagte schon vor Wochen zu meiner Schwester als sie ihm sagte das meine Eltern kommen das er sie zu Nanna machen wird.
Als Weißer aus Deutschland. Scheinbar genug Geld sonst würde er ja nicht hier Urlaub machen und so viele Hilfsgüter mitnehmen.
Aber trotzdem war es eine sehr große Ehre die sie dort meinen Vater entgegen brachten.
Dies war ihm auch bewusst und er war auch sich der Verantwortung dahinter bewusst. Aber er sagte ganz klipp und klar: Er kann keine Wunder vollbringen. Auch ist er nicht besonders reich und hat auch in Deutschland eine Familie zu ernähren. Aber er wird versuchen so gut wie möglich zu Unterstützen und wird als Verbindungsmann gelten.
Nach dieser kleinen Runde war die Hektik dann groß. Ich und mein Vater verstanden aber erst mal nichts. Ständig wurden uns neue Leute vorgestellt und wir kamen noch nicht mal zur Ruhe. Ich übernahm wie so oft in meinen privaten und beruflichen Leben den Kamerajob. Meinen Vater suchten sie erst mal ein traditionelles Gewand die ihm passt. Dann wurde er mit seinen normalen Kleidern von sechs Männern hoch gehoben. Begleitet von einer Handvoll Dorfbewohnern, drei Trommlern und mir machten sich seine Träger mit ihm auf den Weg.
Was jetzt kommt kann man so schlecht in Worten fassen und sogar in Bildern ist es schwierig. Es kamen immer mehr Menschen. Und wenn ich sage immer mehr meine ich auch das. Das Dorf schien eigentlich sehr klein aber der Strom der Menschen die sich uns anschlossen riss nicht ab. Sie sangen und schreien. Ein paar Frauen wedelten meinen Vater zu andere, verteilten Parfum Pulver in der Menge und eine andere schmiss kleine Kekse am Boden die Kinder aufsammelten und verspeisten.
Nach dem Zug durch die Hauptstraße des Dorfes und zu einer scheinbar besonders wichtigen Statue ging es zum Dorfplatz der einfach freies Stückland unter Bäumen war. Dort musste sich mein Vater auf den Schoß des Familienoberhaupt setzen, was bedeutet dass niemand über meinen Vater schlecht reden darf. Dann wurde er zurück ins Hausbegleitet wo er sich traditionelle Kleider anziehen musste.
Mit bedächtigen Schritten wanderten dann Josefs Onkel und mein Vater erneut zum Dorfplatz bei dem nun noch mehr Dorfbewohner warteten. Ein Kreis wurde in der Mitte frei und dort saßen dann die wichtigsten Chiefs (und ich) Dort wurde mein Vater dann zu Nanna ausgerufen.
Nach ein paar weiteren Reden, einem Rundgang durchs Dorf, vielen Bittstellern und tausend Eindrücken mehr mussten wir uns dann wieder aufmachen nach Ojobi dort wartete ein von uns organisiertes Fußballspiel um Fotos für die Sponsoren der Fußball Ausrüstungen.
Ja das war die Geschichte wie mein Vater INKOSO HENE wurde.
Ich bin ja gespannt was er daraus macht.

Das eine Mädchen

27.12.11 Irgendwo 23:49 Uhr

So viele Heiratsanträge wie heute habe ich noch nie in meinem Leben bekommen. Ich kann mich eigentlich an keinen anderen Heiratsantrag seit dem Kindergarten erinnern. Aber so begehrt zu sein kann schon nerven. Besonders wenn du weißt der Grund ihres Interesse lautet das du Weiß bist, das dein Vater Chief ist, das du aus Deutschland kommt, weil sie denken du bist reich etc.. Nicht gerade Attribute für die ich was kann oder die für mich selbst wichtig sind. Die vielen „Ich liebe dich“, „Heirate mich“ und „Meine Hütte ist heute Nacht für dich offen“ wehrte ich ab mit dem Spruch das ich schon jemanden habe. Eine glatte Lüge.
Dachte ich zuerst. Aber ob das wirklich stimmt? Ich hoffe dass jemand daheim auf mich wartet. Ein Mensch der schon einen Platz in meinem Herzen besitzt ohne dass sie es weiß. Ob sie es vermutet?
Ob das mehr ist oder mehr werden könnte kann ich nicht mal sagen. Aber solange man die Schachtel nicht aufmacht weiß man ja einfach nie ob die Katze lebt oder Tod ist.

Der Jahrhundertkampf

28.12.11 Fethe 10:53 Uhr

Der Kampf der Kämpfe steht mir bevor. Die Aufgabe vor der es mir auch in Deutschland jeden Morgen fürchtet. Der Kampf gegen meinen Bart bzw. Bartwuchs.
Besonderheit: Habe es die letzten Tage wild wachsen lassen und muss sagen:
Dann wird es am schlimmsten. Ein Massaker das man nicht vergessen wird. Voller Blut, Schweiß und Schmerzen. Aber ich weiß ich muss dadurch um wenigstens wie ein zivilisierter Mensch auszuschauen. Also nicht das Bartträger unzivilisiert sind, ich schaue einfach mit zu viel Bart scheiße aus.
Nun geht es ab in die Schlacht! Für die (Bart)Freiheit! Liebe! Und Schönheit!

On the rocks

28.12.11                                         Ojobi                                    14:03 Uhr

Hier sitze ich wieder

Lass meine Augen über Ojobi schweifen.

Rechts der Urwald und in der Ferne die Straße nach Fethe.

Der Wind umschmeichelt uns und kühlt angenehm.

Gegensatz zum Rest von Ghana scheint es hier wirklich ruhig zu sein.

Nur von weit weg wehen Motorgeräusche, Kinderstimmen und Tier Rufe zu uns hinüber.

Umgeben von einem Unbekannten Reich in das man nur reinschnuppern aber niemals dazu gehören kann.

In solchen Situationen kann man sich einsam fühlen

Aber das tu ich einfach nicht.

Ich weiß nicht warum aber im Moment genieße ich einfach den Moment.

Dekadenz

28.12.11                                           Ojobi                                    19:17 Uhr

Schokolade essen und dazu laut Musik hören. Und das in einer Kulisse wo es unwirklicher nicht sein kann. Umgeben von Katzen, die kleiner sind als die Raten in den Großstädten der Westlichen Welt. Offene Feuer, die Küchen, und eine Lampe für den ganzen Hof tauchen die Umgebung in ein unheimliches Licht. Der Haushund sucht den Boden nach Essen ab und Ina holt Schokoladen Nachschub aus dem Haus.

Ein Haus ohne Türen. Offen für alle Menschen die gutes im Sinn haben.

Vom Müll der hinter dem Gelände verbrannt wird steigt dichter grauer und stinkender Rauch auf.

Der Geruch des verbrannten Plastiks beißt in der Lunge. Auf dem Hof sind neben Laura, Ina und mir noch ein paar andere. Alle sind müde und obwohl der Abend noch jung ist werden die meisten, mich eingeschlossen, bald schlafen gehen. Es ist ja auch schon so dunkel als wäre tiefste Nacht.

Ja das ist die Welt in der Ina seit vier Monaten lebt und auch weitere sieben Monate wird dies ihr Zuhause sein.

Im Grunde bin ich neidisch.

Nicht weil es hier so komfortabel ist. Eher das Gegenteil.

Sondern weil ich niemals so lange am Stück in eine andere Welt tauchen durfte. Ich darf nur einige wenige Eindrücke mitnehmen.

Obwohl ich bin auch für diese kleines Stückchen froh. Jeder bringt mich ein Schritt näher alles zu erfahren, zu erleben und zu wissen.

Rickys Taxi

29.12.11                                   Auf der Straße                           11:18 Uhr

Rickys Taxi ist das Gefährt in das wir nicht steigen weil es von außen oder von innen wirklich Sicherheit vermittelt. Wir steigen ein, weil es Rickys Taxi ist.

Zuverlässig, fair, kompetent, pünktlich und nett. Eigenschaften die definitiv auf die wenigsten ghanaischen Taxifahrer zutrifft

Deswegen ist seine Nummer in all unseren Handys eingespeichert und wenn wir ihn brauchen müssen wir ihn nur rufen und er kommt Punkt genau zur ausgemachten Uhrzeit.

Genau  jetzt im Moment sitzen wir vollgepackt in seinem Taxi.

Und wenn ich vollgepackt sage meine ich vollbepackt. Kofferraum voller Koffer.

Zwei Wanderrucksäcke zu meiner linken und meine Tasche auf meinen Schoß. Mein Rucksack mit Klamotten hat Laura auf dem Schoß.

Wir sind auf den Weg nach Accra weil mir die Mädels zeigen wollen wie man in Ghana feiern geht.

Ich bin gespannt.

African Dance

30.12.11                                           Accra                                    5:30 Uhr

Wie ist wohl weggehen in Ghana? Definitiv anders als in Deutschland. Aber wir gingen ja in einen der Clubs in Accra bzw. ganz Ghana. Das bedeutet es  wurde schon darauf geachtet westliche Standards zu kopieren. Das dies dann für Ghanaische Verhältnisse nicht ganz billig wird war dann schon klar. Aber eigentlich war es nur für mich teuer. Die Mädels, in diesem Fall Laura, Ina und Vanessa (eine weitere Rote Kreuz Freiwillige) und die anderen Jungs, zwei Fußballer, mussten nichts zahlen weil heute „Ladys Night“ war und VIPs nichts zahlen müssen. 20 Sedi, umgerechnet ca. 10 Euro, Eintritt. Eigentlich keine Welt aber in Ghana kann man da sich mindestens eine Woche von ernähren.

Aber war es jetzt wirklich so anders? Am Anfang wirkte der Laden eher wie ein „Schickimicki-Laden“ voller verklemmter Spießer und Langweiler. Auch sah man am Anfang kein Unterschied im Tanzverhalten. Da gab es die von hinten ihren Penis an den Arsch bzw. Rücken (je nach Größe des „Opfers“) ihrer „Tanzpartnerinnen“ drückten bzw. rieben. Auch die cool in der Ecke stehenden und zum Takt nickenden „Tänzer“ gab es genug. Auf der Tanzfläche gab es dann auch noch die Kerle die wahrscheinlich Monatelang einen Tanz eingeübt haben um heute damit Frauen zu beeindrucken. (Ähnlichkeit mit der Roten Kopf Echse). Und viele weitere Klassiker. Aber nach ein paar Stunden als die Stimmung lockerer war und die Klimaanlagen wieder angeschaltet wurden (Eine Zeitlang hatten sie echt diese ausgeschaltet und das bei einem Club voller Menschen in Ghana!) wurde die Party interessant. Natürlich gab es immer noch die aufdringlichen und Trieb gesteuerten „Tänzer“ mit denen natürlich Hauptsächlich unsere Mädels Probleme hatten (und ich größtenteils verschont blieb) Aber dann wurde wirklich getanzt auf der Tanzfläche und das mit allen Körperteilen. Scheiß egal was andere davon dachten Bewegte man sich im Takt der Musik. Leider war der DJ ziemlich großer Mist sonst hätte das noch deutlich cooler werden können.

Fast selbstverständlich war der Weißenanteil größer als in anderen Orten von Ghana was ein weiteres Anzeichen war das hier nur sehr wenige das Geld haben sich den Luxus des Clubing zu gönnen. Das merkte man dann beim Publikum. Neben Ghanaischen Fußballern und Musiker waren viele aus Ghana stammende Ausländer die Verwandte und Freunde besuchten.

Also bevor ich halb Tod ins Bett falle: Es war echt ein schöner Abend. Seit langen wieder mit meiner Schwester feiern gewesen und auch nette Menschen kennen gelernt wie Vanessa oder auch Nick, ein britischer Soldat und Bruder von der Gastfamilie meiner Schwester.

                        Fremdgeführt

30.12.11                                        Cap Coast                             21:44 Uhr

Ich fühle mich heute wie eine Figur in einem Computerspiel. Die einzige wirkliche „“Entscheidung“ war was ich heute essen möchte. Der Rest entzog sich alles meiner Verantwortung und Entscheidungsgewalt.

Um kurz vor zehn kam Laura ins Zimmer und weckte Vanessa, Ina und mich mit „Ihr solltet aufstehen damit wir rechtzeitig los kommen nach Cap Coast“

Also von selbst aufstehen? Fehlanzeige

Wann und wie wir losgehen war mir nicht bekannt bis die anderen von einem Moment auf den nächsten mit ihren Rucksäcken aufstanden und los wollten.

„Ich kauf mal T-bread“

Morgenplanung und Wahl des Frühstücks konnte ich vergessen. Wurde übernommen.

Ab dann wäre ich allein eh komplett Hilflos gewesen. Wie die Leute sich hier das nur alles merken können und wie diese „Trottos“ fahren ist mir immer noch schleierhaft.

Da ich kein Geld, keine Papiere, Landkarte oder sonst irgendetwas hatte verbesserte meine Lage nicht wirklich.

Also ab in das Trotto „Circle“ (Keine Ahnung wo man das sieht welches Trotto welche „Line“ fährt) dann los in den wohl geschäftigsten Teil von Accra. Ohne meine Mädels, die nur noch aus Ina und Laura bestanden, würde ich da wahrscheinlich immer noch rumstehen weil ich nicht mal wüsste welche Richtung ich gehen könnte geschweige den sollte.

Nach einer kleinen Fußweg fanden wir uns an einem “Busbahnhof“. Chinesische Reisebusse standen dort neben Christlichen Schulbussen, Trottos und viele anderen Gefährten wo die einen mehr und die anderen weniger sicher aussahen.

Welches davon sollten wir nehmen? Laura und Ina entschieden. Obwohl Ina sich erst sträubte weil die umgerechnet vier Euro zu teuer seien. Aber dann nahmen wir doch den Bus ihrer Wahl. Aber das bedeutet ja auch nicht das er gleich losfährt. Es wird gewartet bis er voll ist.

Nach 1 ½ Stunden warten ging es dann los. Inzwischen wurde mir von meiner Schwester ein Säckchen Wasser in die Hand gedrückt.

Wahl des Fahrzeug oder der Startzeit? Außerhalb meines Machtbefugnis

In Cap Coast angekommen wollte ich ein Taxi zum red cross center nehmen aber Ina sagte das ist ganz nah und sie kennt den Weg. Von wegen. Nach gefühlten Stunden in denen ich meiner Schwester in einer mir komplett unbekannten Stadt hinterher gelaufen bin fuhren wir doch Taxi (auf Lauras entscheidung) und kamen dann bei unseren Schlafplätzen an. Das Zimmer war natürlich schon für uns hergerichtet und ich bekam natürlich das letzte freie Bett (das in der Mitte). Und das ging den ganzen Tag weiter. Ich fühlte mich heute eher als Statist, als Schachfigur oder Marionette. Das kommt nicht häufig vor und ich hasse dieses Gefühl.

Und gegessen hatte ich heute gegrillte Krebse.

Das entschied aber vor ein paar Tagen schon mein früheres Ich.

Castle or „The door with no return“

31.12.11                                    Cap Coast                                   14:56 Uhr

Heute war ich wohl an einem der geschichtsträchtigsten Orte der Weltgeschichte. Ein zentraler Knotenpunkt der größten Menschenwanderung der Menschheit. Nur das sie nicht ganz so freiwillig stattgefunden hat.

Ich rede von der Zeit der Sklavenhandel wo Millionen Afrikaner in die neue Welt verschifft wurden. In einem „Menschenlager“ zu stehen wo man allein schon Platzangst bekommt und sich dann vorstellen muss mit 999 anderen Menschen diese Zelle zu teilen ist ein einfach unbeschreibliches Gefühl der Beklemmung, Angst und Trauer.

Erführlich schreitet man durch „The door of no returm“ und lauscht den Wörter des „Guide“. Hier wurden die Sklaven auf die Schiffe verlagert. Wer hier durch ging kam nicht mehr zurück. Aber das gehört der Vergangenheit an. Wenn man sich umdreht steht außen auf der Tür „The door of return“ Das ist eine symbolische Einladung an alle mit Afrikanischen Wurzeln um in das Land ihrer Vorväter zurückzukommen auch wenn es nur für einen Besuch ist.

Ich denke kein Platz der Welt zeigt mehr die Verbundeheit der Kontinente und somit der gesamten Menschheit. Waffen, Alkohol und billiger Schmuck wurde von Europa nach Afrika verschifft, Sklaven und Gold von dort dann nach Amerika und diese lieferten dann Baumwolle und Tabak nach Europa.

Diese Verzahnung begann natürlich schon viel früher und sie wird auch immer intensiver je weiter die Globalisierung voranschreitet.

Hier wird man erinnert das wir doch alle zusammen gehören, alle zusammen die gleichen Probleme haben und nur zusammen diese lösen können.

Ach auf einer der Infotafeln stand das es auch gute Seiten mit dem Handel mit Europa gab. Die Europäer brachten Schulen, Agrarkultur und das Christentum. Ob das letzte wirklich etwas Gutes war wage ich zu bezweifeln.

Der letzte Tag

31.12.11                                              Cap Coast                                           17:57

Hätte nicht gedacht das dieses Jahr so enden würde. Also nicht nur das ich hier mitten in Cap Coast an der Küste von Ghana auf einem grünen Hügel sitze, bekleidet nur mit Boxer Short und T-Shirt und über das vergangene Jahr philosophiere sondern alles was in diesem Ereignisreichen Jahr dazu geführt hat wer ich nun bin, was ich mache und warum. So viele kleine und große Ereignisse die wenn man sie mir vor einem Jahr vorgedeutet hätte sie mir vielleicht nicht unglaublich aber doch unwahrscheinlich vorgekommen wären.

So viele Begegnungen mit besonderen Menschen wo man noch nicht sagen kann wie sie mein Leben beeinflussen werden, unzähligeGespräche die schön und manchmal auch traurig waren aber immer wichtig und sinnvoll, gigantische Begebenheiten, persönliche und politische Erfolge und Misserfolge uswusf. .

All das und noch so viel mehr ist passiert und obwohl nicht immer alles so gelaufen ist wie ich es mir gewünscht hätte bin ich froh das es genauso passiert ist.

Den nur exakt so wie sie wahren haben sie alle, die Erlebnisse und die dort involvierten Menschen, das Jahr 2011 zu einem Jahr gemacht für das ich dankbar bin das ich es ge-und erlebt habe.

Auf ein neues

1.1.12                                   Cap Coast                                           0:56 Uhr

Ich wollte euch in Fanti, der traditionellen Sprache die in Cap Coast gesprochen wird, im neuen Jahr begrüßen. Aber wie man diesen Spruch schreibt ist mir schleierhaft. Ich glaube ich könnte ihn jetzt nicht einmal mehr aussprechen.

Da wären wir also. Das neue Jahr. Noch ein recht jung ist es ja. In Deutschland erst zwei Stunden alt dafür in Australien schon bald einen halben Tag.

Was macht man so wenn man ein ganzes Jahr komplett unverbraucht vor einem liegen hat?

Ich werde erst mal versuchen es mit Leben zu füllen und es bis zu Ende durch zu ziehen. Vorher abbrechen wäre blöd weil dann wäre es ja insgesamt mein letztes gewesene und ich denke dafür ist die Zeit noch nicht gekommen.

Was ich mir vornehme für das neue Jahr?

Meine Ziele weiter zu verfolgen und versuchen sie zu erreichen bzw. die nächsten Schritterdort hin. Dabei will ich  aber auch die Menschen die mir was bedeutet nicht vernachlässigen so wie ich das im letzten Jahr oft gemacht habe.

Am Ende möchte ich euch allen ein wunderschönes Neues Jahr wünschen und außerdem will ich mich entschuldigen dass ich das nicht persönlich kann. Leider ist die Entfernung zu groß und Sms zu teuer.  Die drei die bei ihren Rundmails(bzw. sms) mich in ihren Verteiler gepackt haben gebühren natürlich ein Extra Dank und Extra Wünsche.

Danke Fleischi, Danke Micha und Danke Maggy.

Ich wünsche euch alles Gute in diesem fantastischen Jahr 2012.

Ruhelosigkeit

2.1.12                                   Cap Coast                                           0:19 Uhr

Der zweite Tag des Jahres hat noch nicht mal wirklich angefangen und ich versuche seit Stunden vergeblich einzuschlafen. Was dauernd zum Fehlschlagen meines Planes führt weiß ich nicht genau. Ob es das unerträgliche Quaken der dicken Kröten in den Wasser bzw. Müllgräben ist? Oder ob man den Grund meiner Schlaflosigkeit in den Aktivitäten meiner Person seit dem letzten Mal schlafen finden kann? Diese waren nicht sehr zahlreich und die wenigen nicht besonders anstrengend und in keinen Fall ermüdend. Es könnte aber natürlich auch an der unerträglichen Hitze in unserem Zimmer liegen. (Obwohl hier draußen ist es echt frisch)

Ihr könnt es euch euren Favoriten aussuchen. Was auch zu meinen wachen Stunden beitragen könnte ist das mir die ganzen Zeit meine Ziele für das jetzige Jahr durch den Kopf gehen. (inklusive Auswirkung bei erreichen bzw. nicht erreichen) Werde ich sie bewältigen können? Werde ich dabei auf die Fresse fliegen? Was kann ich alles leisten und was will ich alles leisten? Ich will noch so viel und manchmal habe ich Zweifel ob ich das alles hinbekommen werde. Aber ich möchte es hinbekommen. Deswegen stelle ich mir die Frage: Was muss ich verändern, verbessern oder was beibehalten um sie zu erreichen? Ich habe so viele Ideen wie man es angehen kann aber das Problem dabei ist das ich leider im Voraus nicht weiß welche davon die Lösung ist.

Die Kröten stimmen wieder ihre Liebeslieder ein aber ich bin eh noch wacher als vorher.

Mich würde mal interessieren wie die Dinger da ausschauen?

Ob ich aufstehen soll?

Ok ich riskiere einen Blick

Dafür dass die so laut sind, sind sie ziemlich klein. Schon größer als normale Frösche aber bei deren Lautstärke müssten die eigentlich Rattengroß sein wenn nicht noch gigantischer.

Uii eine Fledermaus ist gerade über meinen Kopf geflogen.

So bei aller Liebe und Faszination gegenüber der Tierwelt reicht es jetzt. Die Mücken und Ameisen sorgen gerade dafür das ich mich in meine Schlafgemächer zurück ziehen muss. Hoffe ich habe mir durch die juckenden Stiche keinen weiteren Grund zugelegt welcher mich vom Schlafen abhalten wird.

Mit den Worten Gottes

2.1.12                                   Reise nach Kumasi                           9:45 Uhr

Da schläft man ganz friedlich im Bus weil die Nacht doch all so zu kurz war (Nicht nur weil das mit dem einschlafen nicht so wirklich geklappt hat sondern auch das wir um 5 Uhr aufstehen mussten. Dazu trug noch die Weck Aktion meiner Mutter um zwei Uhr, als sie dachte es wäre fünf, ihren Teil hinzu.) da wird man durch eine laute Stimme geweckt.

Ein Mann steht im Bus. Ok das ist noch nichts Besonderes. Aber er erzählt da noch etwas von „Last Stop“ und dem „Driver“. Ok der Kerl muss vom Busunternehmen sein und er gibt gerade Fahrinformationen weiter.

Wäre definitiv eine Erklärung gewesen aber dann fängt er an einen Lobesrede auf den so großen Herrn, dem Vater Jesus Christi. Ab dem Moment wusste ich was er war.

Nein kein Pastor oder Priester sondern ein Verkäufer. (Einige würden nun sagen da existiert kein Unterschied und ich würde denen wahrscheinlich auch zustimmen aber in dieser Fall ist doch besonders) In Afrika, besonders auch in Ghana, gibt es einen Markt der in Deutschland immer kleiner wird. Der Markt der leichtgläubigen, der alles Glauber, die Verführten. In Europa gibt es solche Märkte auch noch besonders stark unteranderen in Spanien, Italien oder Polen. Mit Ausnahme von vielleicht Indien gibt es aber nirgends so viele Missionare aller Religionen die meisten sind aber entsannt von Christlichen Kirchen und Sekten (keine Ahnung wo da der Unterschied besteht).

Die wollen erst mal aber kein Geld sondern vor allem Einfluss deswegen bauen sie überall im Land Palastartige Kirchen und erzählt jedem von dem Gott der sie von allem Leiden erlöst. Aber das machen sie ja nicht aus Nächstenliebe. Ihr Glaube ist ja der einzig wahre und die Anhänger machen dann alles was man sagt. Afrikanische Politiker nutzen das gerne um berufen sich auf Gott.

Damit können sie dann alles argumentieren. Ich meine das kennen wir nicht nur aus dem Mittelalter ala Kreuzzüge sondern auch von CXU Politikern. Aber damit das richtig funktioniert muss man die Menschen ja schon so früh wie möglich einlullen. Deswegen sind der Großteil der Kindergärten, Schulen und „Universitäten“ von den unterschiedlichsten Christlichen Gruppen finanziert. Und die Kinder lernen da selbstverständlich nur die einzig wahre Wahrheit.

Das dies auch funktioniert und auch sich finanziell auszahlt sieht man besonders stark an zwei Dingen. Die Kirchen sind die größten, prunkvollsten und Best ausgebauten Gebäude des Landes. (Die ghanaischen Moscheen wirken dagegen wie Bretterbuden) Und Priester, Pfarrer, Prediger und wer weiß noch was alles sind bekannter als Musiker und füllen ganze Fußballstadien.

Von diesem Kuchen mit Zuckerguss wollen natürlich viele ein Stück abhaben (auch wenn es nur ein Krümel ist) So steht der „God is good“ Gemüseladen und die „Brother Jesus“ Bäckerei dicht nebeneinander und sind eher die Regel als die Ausnahme im Bereich Marketing.

Aber wieder zurück im Bus. Nach fast einer halben Stunde Predigt und unzähligen „Amen“ der ein Großteil der Mitfahrer brav nachbetet kommt er dann zur Sache.

Er hat für wenig Geld ein ganz bestimmtes Wundermittel das natürlich gegen fast alles helfen kann und natürlich von Gott gesegnet ist. Was es wirklich ist konnte ich nicht herausfinden. Die gläubige Masse kaufte es aber. Nach drei verschieden Produktvorstellungen war sein Koffer leichter dafür sein Geldbeutel schwerer.  Noch ein abschließendes Amen und dann hockte er sich wieder hin.

Ich bin froh ein Aufgeklärter Mensch zu sein und in einem aufgeklärten Land zu leben obwohl leider auch noch bei uns viele sich eine goldene Nase mit Religionen verdienen.

Ach ja kleiner Funfact am Ende: Man vermutet das 2020 jeder 6 Katholik Afrikaner ist. Ich freue mich auf den ersten schwarzen Papst 😉

Hintergrundinfos

2.1.12                                   Auf den Weg nach Tamale            16:23 Uhr

Jetzt nach ein paar Stunden Fahrt könnte ich vielleicht aufklären was wir gerade eigentlich machen und warum. Und als ganz besondere Extra: Hintergrund Details.

Also heute früh (ca. 7 Uhr) sind wir in Cap Coast mit dem Bus gestartet Richtung Kumasi. Meine Gruppe von Begleitern ist wieder auf meine Kernfamilie geschrumpft. Laura wollte, weil es ihr nicht gut ging, lieber wieder nach Accra zur Vanessa fahren.

Nach einer stundenlangen Fahrt und einer Rast kamen wir in der zweitgrößten Stadt Ghanas an: Kumasi.

Unseren Ursprünglichen Plan, den wir gestern mitten in der Nacht verworfen hatten, gefiel uns doch wieder als wir die Hektik, den Dreck usw. den wir endeckten als wir Kumasi von nahen sahen.

Wir wollten weiter in den Norden. Dort wo man Ghana wirklich Afrika nennen kann. Heißer als der Rest des Landes, auch durch den Sahara Wind, aber nach hören sagen der wohl auch schönste Teil. Der Nationalpark Mole.

Neben der langen Fahrt gab es auch mehrere Gründe gegen die Fahrt.

Die unerträgliche Hitze, Kämpfe im Norden und die nur noch wenige verbliebene Zeit in Ghana.

Aber jetzt waren wir schon unterwegs zu unserer ersten Station im Norden. Tamale

Dort in der Nähe werden wir heute übernachten und morgen früh dann aufbrachen. Ich versuche jetzt ein bisschen die Zeit tot zu schlagen. Wir lesen uns später und keine Angst die Fahrt werde ich überleben. Bus fahren gehört nämlich zu den sichersten Transportmitteln in Ghana.

Und Motorrad, zu Fuß, Taxis und Trottos hatte ich ja auch schon überstanden.

WOW

3.1.12                                   Mole National Park                                        18:22 Uhr

Wow. Einfach nur Wow.

Das waren meine einzigen Gedanken als ich nach vier Stunden Höllentrip in unserem Hotel (Mole Motel) ankamen, ausstiegen und erst mal die Aussicht betrachteten.

Jetzt einige Stunden später bin ich immer noch tiefbeeindruckt. Man blickt hinunter auf zwei Wasserlöcher und die ewige Weite der Savanne. Vor eins bis zwei Stunden stand ich dort unten im Tal und sah das erste Mal in meinem Leben wilde Elefanten.

Ich bin in Thailand schon auf zahmen indischen geritten, habe sie gefüttert oder Fußball spielen gesehen.

Aber wenn du in einem lichten Waldstück einen wilden afrikanischen Savannen Elefanten gegenüberstehest dann rutsch dir das Herz doch mal in die Hose. Vor allem wenn er dann einen testen möchte  und einen Fakeangriff startet.

Die Sonne ist bald hinter den Wüstensanddunst verschwunden und ich lausche den vielen Vögeln und Insekten. Rein für diesen Augenblick hat sich die tausenden Kilometer gelohnt.

Das ist Afrika wie man es sich vorstellt.

Gigantische Wesen

4.1.12                                   Nationalpark                                     13:50

Elefanten zu beobachten ist schon etwas Besonderes. Ob von der Nähe, wie gestern oder von der ferne, wie im Moment. Kolossal und mächtig wie eine lebendige Statue ragt der graue Berg aus der Ebene. Regungslos blickt er nach vorne, was seinen Blick fixiert bleibt mit verborgen. Die grasenden und trinkenden Antilopen zu seinen Seiten scheint er nicht einmal zu bemerken und wenn doch dann lässt er es sich nicht anmerken. Ich stelle mir vor wie es wäre wenn man in unseren Wäldern noch auf Tiere solchen Ausmaße treffen würde. Menschen und Natur haben das Erleben des Gefühls wenn ein Wesen, größer und kräftiger als man selbst, an einem vorbei schreitet in Deutschland fast vollständig unerreichbar gemacht.

Bedächtig und mit dem Wissen der Unantastbarkeit schreitet der Angehörige einer der Letzen Landriesen Arten am Wasserloch entlang. Auf 60 bis 70 Jahre wird er geschätzt. Wer weiß was er alles erlebt hat. Erzählen wird er es mir leider nicht können aber wenn das mit ihrem Gedächtnis stimmt kann er sich auch nach Jahren an alles erinnern bestimmt auch unsere gestrige Begegnung. Mein neuster Banknachtbar, ein Pavian, zwing mich dazu aufzuhören und auszuweichen.

Scheiß Reise

4.1.12                                   Tamale                                          20:39 Uhr

Es ist schon ziemlich blöd wenn man kurz vor dem Flug nach Hause krank wird. Noch blöderist es wenn dieses Handicap Durchfall heißt. Aber regelrecht beschissen, im wahrsten Sinne des Wortes, ist es wenn es genau dann anfängt wenn man Stunden lang auf einer  „Straße“ im nirgendwo unterwegs ist in einem Taxi ohne erkennbare Stoßdämpfer. Trotz andauernden Bauchschmerzen und tausenden Schlaglöchern, welche die Situation nicht gerade besser machten, musste ich nur zweimal in der Savanne verschwinden um den verbrannten Boden zu düngen.

Da war ich wieder froh das der Norden von Ghana einfach dünner besiedelt ist.

So nun ein Perenterol und morgen geht es dann wieder um 4 Uhr 30 weiter. Eine 18 Stunden Busfahrt nach Accra.

            Plan Änderung

5.1.12                                Weg nach Kumasi                             10 :59 Uhr

Wie ich gestern beiläufig erwähnt habe mussten wir heute früh aufstehen, also für uns Europäer früh. Die Ghanaer sind schon um halb fünf Fit. Um genau diese Uhrzeit schleppten wir uns aus dem Bett begleitet von den Rufen aus dem Muezzin. Im Norden ist das Verhältnis Moschee zu Kirchen so wie im Süden das Verhältnis der Anzahl der Kirchen zu den Moscheen. Das ist auch der Grund das wir hier von keinen Verkaufsprediger belästigt werden.

Um kurz nach halb fünf an der belebten Metro Mass Station.

WO geht es zum Ticketstand? Ahh. Bitte fünf Karten nach Accra. Was es gibt nur noch drei? Ohh…Scheiße.

Tja da standen wir. Der einzige Bus nach Accra war schon voll. Einzige aus weich Möglichkeit: Bus nach Kumasi und dann dort weiterschauen.  Gesagt, getan. Letzte Tickets für den Bus erwischt und nun sitzen wir wieder ein paar Stunden hier drin und hoffen bei unserem Zwischenziel einen Weg zu finden um nach Accra zu gelangen. Bis morgen Abend um halb zehn haben wir Zeit.

Den da startet unser Flieger.

Buswechsel dich

5.1.12                                   Kumasi                                            14:37 Uhr

Das war ein Spaß. Mit dem Metro Mass Bus zur Metro Mass Bus station. Bus nach Accra? Schon weg => Taxi zur STC Bus Station. Bus nach Accra? Schon weg => Taxi zur VIP Bus Station. Bus nach Accra? Der fährt gleich. Ok fünf Tickets bitte. Hier das sind die letzten. Da ist der Bus. Gute Reise.

Hatte mich schon drauf eingestellt in Kumasi übernachten zu müssen und jetzt sitze ich in einem Luxus Bus. So etwas habe ich nicht mal in Deutschland genutzt. Die Sitze sind bequemer als jedes Bett was ich bis jetzt in Ghana ausprobieren durfte.

Das einzige was mich beunruhig ist das der Fahrer an Anfang gebetet hatte damit wir sicher ankommen.

Mir wäre es lieber wenn er mehr Vertrauen in seinen Fahrkünsten hätte.

PS: Afrikanische Filme sind doch sehr strange. Gerade läuft einer und ich kann ihn einfach nicht verstehen.

Afrikanische Filme

5.1.12                                   Weg nach Accra                                5:23 Uhr

Afrikanische Filme erträgt man an besten in dem man das TV Gerät ausschaltet. Daneben ist jeder Heimatfilm purer Genuss und eine Wohltat. Leider kann man das ausschalten im Bus nicht so ganz beeinflussen aber dadurch das diese Filme hauptsächlich versuchen durch ihre Lautstärke zu wirken habe ich so viele Lautsprecher wie möglich ausgeschaltet. Interessanterweise haben die Zuschauer nichts gemerkt das der Film nur noch Viertel so Laut ist wie am Anfang. Leider bekomme ich immer noch mehr mit als mir Lieb ist aber wenigstens habe ich ein wenig meine Qualen gelindert.

Bettgeschichten

6.1.12                                   Accra                                    8:49 Uhr

Das Bett ist echt bequem, ich habe super geschlafen und wirklich gut geträumt. Die Temperatur war wirklich angenehm obwohl nachts die Klimaanlage ausgefallen ist und der Decken Ventilator im Halbschlaf dazu genötigt wurde für ihn einzuspringen. Aber wie gesagt es war echt angenehm aber ich vermisse verdammt noch mal die Decken. Einfach dieses schöne Gefühl behütet zu sein. Ein Bett wie ein Nest. Das hat man hier einfach nicht. Braucht man wegen der Wärme hier ja nicht wirklich. Trotzdem vermisse ich es und freue mich bald wieder in ein richtiges, in mein Bett fallen zu dürfen.

Ende

6.1.12                              Flug nach Istanbul                             23:00 Uhr

Jetzt hocke ich schon wieder im Flugzeug. So schnell sind zwei Wochen um. Beim Start, als wir auf die Lichter von Accra blickten, fragte mich meine Mutter was mich am meisten Beeindruck hat.

Da war ich überfordert. „Keine Ahnung“ lautet meine Antwort.

Ich weiß es auch wirklich nicht. Ob es Fethe war mit dem Meer und den Palmen. Oder ob es die abenteuerlichen Taxi Fahrten waren. Genial war auch der Abend mit den Mädels in Accra. Silvester in Cap Coast? Die Ernennung meines Vaters zur Nana oder die Safari in Mole bei der ich einem wilden Elefanten in die Augen schauen durfte? Alles war sehr beeindruckend.

Aber als ich am Flughafen in den Armen meiner Schwester lag war es doch die Zeit mit ihr. Und natürlich auch die Zeit mit meiner ganzen Familie. Das war vermutlich das letzte Mal das wir als eine Einheit Urlaub gemacht haben. Auch das wir zusammen Weihnachten verbringen wird langsam zu Rarität werden. Das wir Silvester getrennt feiern war die letzten Jahre eh eher die Regel als die Ausnahme. Aber natürlich hat mich dieses Land auch gefesselt. Auch die Menschen die ich kennen lernen durfte waren Begegnungen die ich nicht missen möchte. Ob es neue „Familienmitglieder“ wie Laura oder Kofi. Nette Bekanntschaften wie Vanessa, Faruk, Franklin, Bright und so viele mehr. Wenn ich davon wieder sehe werde ist ungewiss bei jedem würde ich mich aber freuen.

Auch Danke an euch die sich das angetan haben und alles gelesen haben. Es tut mir Leid das ich oft mehr über mich als über das Land geschrieben habe. Aber das Ghana ca. 22 Millionen Einwohner hat oder der Name der Währung „Sedi“ von dem historischen Zahlungsmittel Goldstaub abgeleitet wird hättet ihr sicher auch in den unzähligen Reiseführern (Es gibt genau zwei 😉 ) nachlesen können. Oder in Wikipedia. Aber ich glaube das habt ihr ja eh nicht erwartet sonst hättet ihr nach der ersten Seite schon aufgehört. Ich glaube ich kann mich selbst zitieren als ich im Taxi gehockt bin, nach dem ich der „Krönungszeremonie“ meines Vaters beigewohnt hatte, zu diesem sagte: „Jetzt ist mein Leben um einige Geschichten reicher geworden.“ Und ja so ist es. Ghana war vielleicht heiß, dreckig und laut aber trotzdem gigantisch. Auf jeden Fall eine Reise wert.

Zugabe

7.1.12                                   Istanbul                                              9:15 Uhr

Ich melde mich doch noch einmal von dort wo alles angefangen hat. An dem Ort wo ich unwissend gestartet bin und allwissend gelandet. Ok so weit ist es doch nicht gekommen. Alles weiß ich leider immer noch nicht, dem fliegenden Spagetti Monster se i Danke, den sonst könnte ich ja ab sofort aufhören zu existieren.

Ich will noch so viel erleben und einiges werde ich dieses Jahr noch meiner Lebensgeschichte hinzufügen. Auf jeden Fall habe ich viel vor. Mein erstes Semester so gut wie möglich abschließen (Erfolgreich wird schwierig). Einen Wahlkampf in Schleswig Holstein mit Troge rocken. Mein zweites Semester wirklich erfolgreich hinter mich bringen. Viele Bundes-,Landes- und Bezirksparteitage er-und überleben. Auf einen davon mich als Listenkandidat bewerben. Kurzgeschichten veröffentlichen. Reden halten, Menschen treffen und schreiben, schreiben, schreiben. Viel habe ich geplant und noch viel mehr kommt ungeplant hinzu.

2012 kann eins der wichtigsten Jahre in meinem jungen Leben werden und auf jeden Fall wird es sehr spannend. Und wer weiß vielleicht fliege ich nochmal einen Monat zu meiner Schwester oder um es mit den Worten von Simon Hofbauer zu sagen: „Wir werden sehen“

Die Reise ist vielleicht zu Ende aber das Leben fängt erst richtig an.

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