Blutopfer Seite 1

Was ich hier schreibe, liegt schon Jahre zurück und ist doch immer noch aktuell. Es ist eine Geschichte über ein Ereignis, über das man lieber schweigt. Trotzdem will ich, dass diese Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, denn sie veränderte und beendete viele Leben von Bekannten, Freunden und Feinden. Der Geschichte gebe ich den Namen „Blutopfer“.

Alles fing an einem sonnigen Oktobertag an. Jan belud den pechschwarzen Pick-Up mit Rick. Susan und Mike bereiteten Brote für die Fahrt vor und Ricks kleiner Cousin Max spielte mit seinem treusten Gefährten Rain.

Rain war ein hochgewachsener sehniger Mischling. Sein Fell war braun und am Bauch grau mit einem silbernen Schimmer. Er war ein schöner Hund, obwohl er kein reinrassiger Hund war. Er lief Max vor 3 Jahren zu und keiner wusste woher er kam. Niemand hatte je so einen Hund gesehen. Man munkelte er wäre ein Bastard einer Wölfin und eines Hundes. Aber wer wusste es schon? Im Umkreis von 200 km vermisste keiner einen Hund und keiner hatte ihn jemals gesehen. Er war ein Findelkind und wie jedes Findelkind hatte er seine Mythen.

„Max! Komm schon wir wollen los.“ rief Rick, der gerade seine Jagdsachen auflud. Max lief jauchzend in Richtung Jeep und Rain rannte hechelnd nebenher.

Rain mochte die Menschen. Sie waren immer nett zu ihm, gaben ihm etwas zu essen und spielten mit ihm. Er mochte alle Menschen, aber vor allem mochte er Max, der ihn manchmal verbotenerweise nachts in sein Bett nahm und mit ihm kuschelte. Er würde ihn immer beschützen, denn Max war sein bester Freund.

„Sind alle fertig?“ fragte Susan. Sie und Mike kamen mit einem vollen Picknickkorb aus dem Haus.

„Sicher! Schon lang. Wir warten nur auf euch!“ scherzte Rick. „Dann alle in den Jeep!“ forderte Jan auf und natürlich ließ sich das keiner zweimal sagen.

Rain sprang bellend hinten auf die Ladefläche.

Mike stieg auf der Fahrerseite ein und meinte: „Ich fahr Leute! Bin ja der beste Fahrer und die Strecke wird heute ziemlich hart. Das Hotel liegt im Moor und bis dahin müssen wir durch den Mondwald. Wenn wir ankommen ist es sicher schon Nacht!“

Mike war 28 Jahre alt und der Älteste der Freunde und seit drei Jahren mit Susan zusammen. Er war sozusagen der große Bruder der Gruppe und für alle Probleme zuständig. Ohne ihn wären sie aufgeschmissen. Er war 1,87 Meter groß, schlank und hatte etwas längere blonde Haare. Er war auch der Vernünftigste und wurde wie alle Vernünftigen manchmal als Spießer bezeichnet.

„Gut du fährst. Ist mir nur Recht!“ entgegnete ihm Susan und stieg an der Beifahrerseite ein.

Susan war eine junge, hübsche und bodenständige Studentin. Sie war 22 Jahre alt und die Stiefschwester von Rick. Ihre blonden, schulterlangen Harre schimmerten in der Sonne golden.

Rick und Max machten es sich hinten auf der Rückbank gemütlich und Jan folgte ihrem Beispiel, nachdem er Rain hinten ankettete. „So, nun aber los!“ meinte er als er die Tür schloss und sich auf die weiche Rückbank setzte. Mike startete den Motor und gab Gas. Hinten jauchzte Max: „Nun geht es endlich los.“ Wenn er nur wüsste was sie erleben werden. Dann würde er sich nicht so freuen!

Nach sechs Stunden Fahrt durch den düsteren Wald stotterte plötzlich der Motor. „Scheiße! Genau jetzt!“ fluchte Jan. „Aber da hinten ist eine Raststätte, vielleicht können die uns helfen!“

Jan war der verschlossene Typ der Gruppe, sagte wenig und behielt seine Gedanken oft bei sich. Niemand konnte in ihn hineinschauen und, obwohl die Freunde ihn schon lang kannten, war er für sie immer ein Mysterium.

Als sie auf den Parkplatz fuhren, sah die Raststätte sehr verlassen aus. Nur ein Schild mit den  grün leuchteten Buchstaben „OPEN“ wies auf denkende Menschen hin. „Irgendwie beängstigend.“ meinte Susan. „Auf keinen Fall ein Ort, wo ich mich länger aufhalten möchte.“

„Wenn wir Glück haben ist das am Wagen nur eine Kleinigkeit“, munterte Mike seine Freundin auf. Was sie nicht wussten, so etwas wie Glück würden sie in den nächsten Stunden, Tagen, Wochen wenig erfahren…

Sie parkten in der Nähe der Zapfsäulen.

Mike weckte Max auf, der während der Fahrt eingeschlafen war. Rick ließ Rain von der Leine und alle gingen in Richtung des Bistros.

Die Tür klemmte und ließ sich daher nur schwer öffnen. Im Verkaufsraum war die Luft dicht, verraucht und es stank nach Schimmel und Alkohol. „Willkommen! Was für ein erfreulicher Anblick! Gäste verirren sich hierher nur selten und sie sind schon die Zweiten in dieser Woche, das ist rekordverdächtig.“ sagte eine raue, verrauchte Stimme hinter dem Tresen. Als die Freunde sich an das Dämmerlicht gewöhnt hatten, sahen sie auch wem die Stimme gehörte: einer freundlich aussehenden alten Dame mit einer Zigarre im fast zahnlosen Mund.

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